Tag 15 – 24. März

Mein neues Lauftrainingsprogramm schickt mich heute früh schon eine größere Runde laufen. Es ist kalt, in der Nacht hat es gefroren, doch die Sonne scheint wieder und es wird wohl noch ein weiterer freundlicher Frühlingstag. Heute sehen wir wieder Pressekonferenzen an, die wirtschaftlichen Maßnahmen werden nocheinmal präzisiert und Hilfe wird allen zugesichert, unbürokratisch und rasch. Das scheint das allgemeine Credo zu sein.

Die Stimmung bei uns ist merkwürdig angespannt, zum einen hört man, dass die Maßnahmen helfen und Wirkung zeigen, zum anderen sind wir umgeben von in die Höhe schnellenden Coronafällen, stündlich kommen dutzende neue Fälle dazu, wir sind auf über 4000. In Gesprächen mit Freunden die im Gesundheitssystem arbeiten bekomme ich immer wieder zu hören, dass die Anstrengung sich auf Kommendes vorzubereiten groß sei. Mein Nachbar hat seinen Resturlaub aufzubrauchen, ehe er die kommenden Tage seinen Dienst als Arzt in einer für Covid vorbereitetet Intensivstation antritt. Er stellt sich auf eine längerer Zeit ohne viel Zeit für seine Familie ein und versucht die schönen Tagemit seiner Frau und seiner Tochter zu genießen.

Der Versorgungsnotstand mit Schutzausrüstung ist nach wie vor ien großes Thema und Anschober versichert unentwegt Bestellungen in Millionenhöhe bereits abgeschlossen zu haben und in Erwartung der bestellten Güter zu sein. Er zeigt Bestellisten und man hat irgendwie den Eindruck, dass alle beteiligten hoffen, dass die zugesagten Lieferungen zeitgerecht und in entsprechendem Ausmaß auch ankommen. Dieses Thema zieht sich jetzt schon sehr lange hin. Ärztekammer und Patientenanwaltschaft liefern sich diesbezüglich auch Streit mit gegenseitigen Vorwürfen.

Generell wird immer mehr Kritik laut am Vorgehen der Bundesregierung und an den getroffenen Maßnahmen. Vorschläge kommen aus vielen Richtungen und nicht immer ist mir klar, ob diese Meldungen bereits beginnender Wahlkampf sind, ehrliche Analyse und Kritik oder Profilierungsversuche einzelner Stellen.

Ein Beispiel liefert Hacker, der Gesundheitsstadtrat aus Wien, der seine kontroverse Meinung sehr offen im Falter Interview darlegt:

https://www.falter.at/zeitung/20200324/du-kannst-wien-nicht-wie-im-film-abdrehen?ref=homepage

Auf Twitter wird er dafür abgefeiert, viele wünschen sich eine Beteilung von Rendi Wagner im Krisenteam der Regierung. Ob die mittlerweile ihre Partei wieder hinter sich vereinen konnte ist mir nicht klar, bis vor zwei Wochen war Reni Wagner sehr verloren innerhalb der SPÖ, Jugend und Landesorganisation war gegen sie. Ich bezweifle dass sich daran im Kern etwas geändert hat.

Ich überlege einstweilen mit Freunden ein Projekt zu starten. Als Antwort auf die Schließung von logopädischen Praxen denken wir über Möglichkeiten nach eine Versorgungssicherheit zumindest teilweise durch elektronische Materialen zu gewährleisten. Die Ideen dazu sammeln wir gerade und wir prüfen wie und ob sich so etwas umsetzen ließe.

In Spanien wurden heute Pensionisten bei einer routinemäßigen Desinfektion tot in einem Altersheim aufgefunden. Das ist schon die zweite Meldung dieser Art innerhalb von einer Woche. Pro Tag sterben in Spanien mehr als 500 Menschen, nach Italien breitet sich Corona hier besonders verheerend aus. Boris Johnson lenkt endlich ein und denkt einen Lockdown an. Hoffentlich noch rechtzeitig. Meldungen aus den USA sind fast alle negativ, die Zahl der infizierten steigt rasch und Trump fällt immer noch durch eher durch widersprüchliche Aussagen bezüglich Covid auf als durch konkrete Maßnahmen. Das wird schlimm werden. In Afrika gibt es flächendeckend Fälle, wobei die Zahlen noch recht niedrig sind und hoffentlich möglichst lange bleiben. Es wirkt derzeit nicht so als hätte Europa große Reserven Hilfsprogramme zu starten. Das übernimmt derzeit am ehesten China (für Italien etwa).

Die Welt ist Menschenleer geworden vielerorts.

Tag 10 – 19. März

Tirol ist dicht, ganz Tirol? Ja.

Was soll man dazu schreiben, ich trinke meinen Kaffee und lese die Nachricht in Ruhe noch einmal nach. Sehr sachlich und ohne große Emotionen, für die Tragweite einer solchen Meldung schon sehr entspannt. Was mich kurz überrascht und was nicht wirklich berichtet wurde gestern noch: auch Vorarlberg ist von dieser Maßnahme betroffen. Die Grenzen sind zu, Tirol auch. Vorarlberg ist also auch abgeschnitten, weil eine anderes Bundesland für sich eine Maßnahme ergreift. Über die politische Verantwortung Platters muss jedenfalls gesprochen werden. Verheerend auch die ausländischen Berichte.

Merkel tauch auf. In einer dringlichen Rede spricht sie zu den Deutschen. Sehr ernst, sehr verständnisvoll, kämpferisch und besonnen. Endlich ist sie wieder da, sie fehlt in dem Europa in dem gerade jedes Mitgliedsland sein eigenes Spiel zu spielen scheint.

Die EU existiert in dieser Krise nicht. Man hört nichts, ich habe den Eindruck man hat Corona einfach verschlafen während man sich in den neuen Büros gerade hübsch eingerichtet hat. Deshalb machen alle Staaten ihre eigen Lösungen, verfolgen eigenständige Ziele und schoten sich von den anderen ab. Danke für nichts liebe EU, wann wacht ihr endlich auf? Wird Zeit dass diese Struktur eindlich demokratischer und Transparenter wird, genau in solchen Situationen wäre es so wichtig. Die EZB will Geld locker machen, Von der Leyen schläft und die EU mit ihr hat es den Eindruck. Vielleicht kann Merkels Auftritt auch noch weitere Politiker*innen wachrütteln. Hallo, Guten Morgen, wir haben eine Pandemie, Ideen?

Bilder aus Italien, deren Echtheit leider unbestritten ist machen die Runde. Das Militär bringt Särge von Opfern aus der Lombardei in umliegende Krematorien, da die Kapazitäten der dortigen Bestattungsunternehmen erschöpft sind. Italien überholt China mit den Opferzahlen. Corona beginnt jetzt in Europa zu wüten. Italien hat und vorgewarnt. Die kommenden Tage wird sich zeigen ob wir gerade noch rechtzeitig den Meldungen aus Italien Glauben geschenkt haben. Die Warnungen aus China und die Empfehlungen der WHO haben wir wieder den Interessen der Wirtschaft untergeordnet. Italien du rettest Europa möglicherweise unter großen Verlusten und durch viel Leid den Arsch.

Den Tag über wird weiter über Maßnahmen und die Auswirkungen der Gestzesnovellen und deren Auslegung gesprochen. Kinder deren Eltern sollen nicht zwischen den Eltern wechseln, dann dürfen sie das aber doch wieder. Die Quarantäne ist keine Ausgangsperre, in Parks aber schon, eigentlich aber nicht, Versammlungen sind möglich, oder nicht, oder nur bis fünf Personen, oder nur mit Personen die im selben Haushalt leben. Auch der Gesundheitsminister scheint sich da nicht mehr ganz sicher zu sein was für wie lange und wann gilt.

Er sieht jedenfalls die ein-Meter-Abstandregel als eine Art Verfassungsgesetz und pocht auf das unbedingte Einhalten dieser Regel. Unser Alltag nimmt immer mehr neue Regeln auf. Man achtet ganz unwillkürlich darauf wie oft man sich ins Gesicht greift, jedes mal Hände waschen sehe ich kleine Viren von der Hand auf den Wasserhahn, von dort zurück auf meine Hand, ins Handtuch und ins Gesicht hüpfen. Sie sind überall. Aber die frühsommerlichen Tage mit Temperaturen um 20 Grad wiegen uns in trügerischer Sicherheit und lässst viele Leute in die Parks gehen und das wiederum mag der Gesundheitsminister nicht. Der ist hin und hergerissen zwischen loben weil alle so brav sind und schimpfen weil alle noch braver sein sollten. Und wenn nur fünf Prozent nicht mitmachen, dann ahut uns das die ganze Maßnahme zsamm, sagt er in einem sehr sympathischen Oberösterreichisch.

Rudi Anschober kann man von Anbeginn der Krise vertrauen und wenn man bedenkt, dass er nur etwa ein Monat im Amt war als das richtig los ging, kann man ihm nur größten Respekt zollen! Nicht vorstellbar, dass seine Vorgängerin statt ihm die Richtung vorgeben könnte.

Wir bemerken, dass die Tage schneller vergehen als man denkt und freuen uns auf den morgigen Tag, da wird es ein onlinekonzert gebenm das wir uns gemeinsam ansehen möchten. Überhaupt gibt es viel Kreatives im Netz. Noodle light, kannte ich noch nicht.

Nehammer spricht in einer Pressekonferenz vom Nachmittag, die ich am Abend noch nachsehe explizit auch Maßnahmen auf Lesbos an und versichert Unterstützung und humanitäre Hilfe. Er gibt zu, dass dieses Thema von Corona überlagert wird, dass man sich aber darum kümmere. Ich fühle Erleichterung, dass man sich vor dieser verantwortung auch in dieser Situation jetzt nicht drückt. Das klang vor wenigen Tagen vom Kanzler noch ganz anders und Kogler durfte nicht einmal seine Privatmeinung äußern ohne sofort zurechtgewiesen zu werden.

Tag 9 – die 18. Märzin

Guten Morgen, wieder Sonne, wieder Laufen, wieder Kaffee in der Sonne. Kurz Einkaufen – mit schlechtem Gewissen. Die Straßen sind leer. Zumindest in meiner Gegend und früh am Morgen. Es gibt viele Berichte, dass zu viele Menschen auf den Straßen sind und deshalb die Bewegungsfreiheit weiter eingeschränkt werden sollte. Ausgangsperren werden immer wieder überlegt, sie scheinen immer wieder realer zu werden.

Die Zahlen in Tirol steigen rasch, auch in Oberösterreich gibt es immer mehr infizierte. Flachau wird zur Quarantäne, ebenso das Gasteiner Tal. Die Menschen dürfen ihre Ortschaften nicht mehr verlassen, die Polizei kontrolliert die Bevölkerung insbesondere auf der Straße. An den Grenzübergängen vor allem zu Ungarn gibt es einen Stau von über 50 km Länge, der von der Polizei aufgelöst werden muss. Die Grenze ist zu, Güter dürfen dennoch durch, Menschen die auf dem Weg in ihre Heimat sind, oder durch Österreich durch müssen blockieren die Straßen und es kommt zu Konftontationen. Die Grenzen werden für wenige Stunden geöffnet. Wir sind wieder zurückversetzt in die Zeit vor Schengen. Wir haben wieder Grenzen. Ich dachte nicht dass ich das noch einmal erleben muss, vor allem nicht so plötzlich und unter solchen Bedingungen.

Unsicherheit macht sich immer noch breit, nach wie vor sind viele Fake Nachrichten im Umlauf, die Regierung warnt auch immer wieder davor. Es scheint plötzlich so als würden Fakten ganz plötzlich wieder an Bedeutung gewinnen, das war ja besonders auch von der Kanzlerpartei die vergangenen Jahre bewusst umgangen worden. Zwei Länder die immer noch große Schwierigkeiten mit dem Virus zu haben scheinen sind USA und England. Hier ist es nach wie vor so, dass die Bevölkerung erst die Politik überzeugen muss endlich zu handeln. In diesem Vergleich sind wir fast schon gesegnet. Auch in Deutschland wird es schön langsam mal Zeit, dass endlich einheitliche Maßnahmen beschlossen werden. Von außen betrachtet sind wir da gefühlt ein paar Tage voraus und haben insbesondere wichtige Gesetze bereits in Umsetzung und auch in Diskussion. Merkel fehlt mir an dieser Stelle schon. Sie tritt öffentlich kaum in Erscheinung.

Die Nachrichten aus Italien sind nach wie vor vernichtend. Unglaubliche Zahlen was die Todesopfer betrifft, Italien zieht bei Opfern von Coroba mit China gleich.

Deutschland gibt endlich die bestellten medizinischen Hilfmittel und Masken frei, die so dringend benötigt werden und mangels deutscher Ausfuhrgenehmigungen (Schengen, Freihandel!?) an der Grenze warten müssen. Was hinter dieser Posse steckt ist sehr rätselhaft, beschöäftigt aber auch bereits seit Tagen die Vertreter der Regierung. Nun gibt es endlich wieder Masken – vorerst, denke ich bei mir.

Bei Willkommen Österreich wird ein Deepfake Video von Sebastian Kurz gezeigt, erstellt von Kurt Fleisch, der vor wenigen Wochen auch schon eine Strache die Ansprache aus dem great Dictator halten ließ, ebenfalls sehr gelungen. Heute singt der kanzler und macht uns Hoffnung, dass alles wieder gut wird.

Abends sind wir zu müde uns nochmal die Nachrichten anzusehen, dennoch schrecken wir noch einmal kuz auf. Über ganz Tirol wird eine Ausgangssperre verhängt. Der Gesundheitsminister wurde anscheinend knapp vom Landeshauptmann über diese Maßnahmen (ist Ländersache) informiert. Die Kommunikation mit Tirol dürfte nicht wirklich gut funktionieren, Kurz hatte bereits mehrer kleine Seitenhiebe diesbezüglich abgegeben, Tirol agiert irrational unverantwortlich und unsolidarisch ist die breite Meinung.

Ich denke an meine Schwester die mit ihrer Familie in Tirol lebt. Ihnen geht es gut und sie haben die besten Voraussetzungen für diese Krise, aber eine Ausgangssperre bedeutet nochmal ganz andere Herausforderungen. Ich werde sie morgen anrufen.

Vielleicht versucht man nun das Bundesgebiet vom Westen her zu schließen. Die kommenden Tage werden sich stark um diese Frage drehen denke ich. Alle kommenden und weiteren Maßnahmen werden mittlerweile kritisch beobachtet. Die Befugnisse für einzelne Politiker sind sehr ausgeweitet worden, die Finanzmittel sind riesig (statt vier wurde die Summe heute auf 38 Milliarden erhöht! und der Finanzmisister singt ein Loblied auf den Sozialstaat und mahnt dessen Wichtigkeit ein!) und Freiheitsrechte sind ebenso großteils ausgesetzt wie der Datenschutz. A1 bietet Bewegungsprofile ihrer Kunden freiwillig und selbstständig der Regierung als Unterstüzuung zur erstellung von Bewegungsprofilen an. Sie sollen das Modellieren neuer Prognosen erleichtern.

Über die Inhalte des beschlossenen Epidemiegestzes darf man nicht zu lange nachdenken, das führt ohnehin bei zu vielen zu verschiedensten Verschwörungstheorien. Das Vertrauen in die Regierung ist schon sehr fordernd gerade. Die Neos fordern als Opposition die Begrenzung des Epidemiegesetzes auf ein Jahr ein. Mit Erfolg. Etwas beruhigend.

Tag 8 – 17. März

Der zweite Tag in Folge an dem wir uns ein bisschen aus der Informationsflut herausnehmen. Das Wetter ist schön, wir kümmern uns um unseren Balkon und pflanzen ein paar Blumen ein, ebenso Salat. Gestern Abend haben wir bis lange nach Mitternacht ein Brettspiel gespielt, das wollen wir heute wiederholen. Es war so erleichternd, ein paar Stunden abgelenkt zu sein und nicht rund um die Uhr Nachrichten zu hören und sich mit Corona zu beschäftigen.

Man bekommt die Ereignisse und Diskussionen ohnehin mit, wir hören immer noch täglich den Podcast von Drosten, shen mittags die Pressekonferenzen noch an, sitzen zwischendurch aber in der Sonne und trinken Kaffee. Zuhause selbstverständlich.

Ischgl und Tirol sind nach wie vor das beherrschende Thema. Es wird immer deutlicher, dass hier mit der Gesundheit vieler Menschen gespielt wurde. Die Bilanzen der Tourismusbetriebe schien in Tirol wichtiger als die Gesundheit der Bevölkerung. Jetzt ist nicht die Zeit für politische Anklage, aber die Landesregierung hat in Tirol wohl ordentlich versagt und sowohl Tiroler*innen, wie auch Urlauber*innen aus ganz Europa gefährdet.

Es gibt eine weitere Person die an Corona verstorben ist. In den sozialen Medien wird reflexartig und unermüdlich darauf hingewiesen, dass die Verstorbene Vorerkrankungen hatte. An diesen Strohhalm scheinen sich viele zu klammern und werden nicht müde das wie ein Mantra immer wieder zu betonen.

Teilweise erscheinen die Tage erstmals normal, bis der nächste Realitätsflash einen wieder ins Hier katapultiert.

Die Regierung sagt immer größere finanzielle Hilfspakete in Aussicht. Die ursprünglich angekündigten vier Milliarden werden wohl etwas mehr werden im Laufe der Zeit, die geplante Rede des Finanzministers wird abgesagt.

Ein Interview mit Armin Wolf offenbart die Situation um Ischgl. Einer der Verantwortlichen behauptet immer noch alles im Griff gehabt zu haben. Allein die Zahlen der Infizierten skandinavischen Urlauber übersteigt die Zahl der offiziell in Österreich registrierten positiv getestetetn Fälle. Alles im Griff sieht anders aus, das kann auch ein Laie erkennen. Ob die ahnen was sie da wissentlich und voller Absicht in Kauf genommen haben?

Am Abend spielen wir wieder ein Brettspiel.

Tag 7 – 16. März

Ich bin heute eine kleine Runde gelaufen und habe begonnen Zettel mit Spielen aufzuhängen. Ich bin schon gespannt ob ich einmal einen Spielpartner erreiche.

ein Versuch
Johannas Sonnengruß auf der Schmelz

Soap and Skin veröffentlicht ein Cover von Whatsupp der 4 Non Blondes. Whats going on fragt sie sich und sie singt uns aus der Seele. Was passiert da gerade? Wo sind wir hier hineingeraten?

Ein Adventskalender zur Corona-Zeit

Pia Physik im Advent kann eine ganz unterhaltsame und spannende Abwechlsung für die Beschäftigung mit Kindern sein. Es gibt in kurzen Videos ein Experiment mit einer Frage, das in der Regel mit Dingen die man daheim hat gemacht werden kann, und dann eine Auflösung.

Das weihnachtliche Setting ist jetzt eigentlich ganz unterhaltsam und die Experimente sind großteils spannend.

Tag 6 – 15 März, Sonntag

Ein wunderschöner sonniger Tag beginnt, alles ist ruhig, ich gehe gleich früh am Morgen mit Johanna eine kleine Runde laufen. Es hat etwas sehr unwirkliches: wir laufen durch die Straßen, es ist ein wundervoller, für die Jahreszeit eigentlich recht waremer, Frühlingstag (noch nicht einmal) und über der Stadt, über dem Land und über der ganzen Welt breitet sich ganz lautlos eine Pandemie aus. Eine der vielleicht größten weltweiten Krisen die man sich vorstellen kann findet genau in diesem Moment gerade statt und nimmt seinen Lauf. Der Ausgang ist noch unbekannt, in China sollen die Neuerkrankungen zwar zurückgehen, Christian Drosten warnt aber davor, dass uns Corona bis weit in den Sommer hinein begleiten könnte, eventuell sogar darüber hinaus.

Nach dem Laufen trinken wir Kaffe und hören die Sondersitzung des Parlaments. Es ist sehr beeindruckend wie rasch die benötigten Gesetze jetzt beschlossen und umgesetzt werden. Alle! Parteien tragen die Maßnahmen mit und es gibt (derzeit) keine politischen Auseinandersetzungen unter den Parteien. Das ist sehr positiv, in anderen Ländern sind die Maßnahmen aufgrund der explosionsartigen Ausbreitung ohne gesetzliche Rahmenbedingungen und lösen zusätzliche Verunsicherung aus (Italien), in anderen Ländern gibt es zu Corona auch noch ungelöste Probleme die weiter bestehen (Gelbwestenproteste in Frankreich inklusive Zusammenstößen mit der Polizei). Andere Länder haben das Pech sich mit ihren inkompetenten Präsidenten/Premiers herumschlagen zu müssen (USA & UK).

In Italien sind die Zahlen schwindelerregend und die Bilder verheerend. Ein Bericht der Welt.de geht viral, der auf ganz tragische Weise deutlich macht wie die Situation in Italien ist. Wir hoffen, dass es uns nicht so hart treffen wird (schwer auszuhalten das zu lesen). Weiterhin gibt es große Kritik daran weshalb so wenig getestet wird. Eine klare Ansage wäre diesbezüglich endlich wünschenswert. Gibt es keine Kapazitäten, ist es ohnehin längst egal, will man es nicht zu genau wissen? Generell scheint es, dass die Bevölkerung alle Maßnahmen gut und ruhig mitträgt, so lange sie klar und offen kommuniziert werden.

Wir haben eine Sondersitzung am Sonntag! Alle Gesetze werden durchgewunken, der Kanzler verschärft die Maßnahmen wieder und kündigt an nun doch ab Montag bereits alle Bars usw. schließen zu wollen. Keine große Überraschung, die Meldung dass sie bis 15.00 Uhr geöffnet bleiben dürften, diente wohl eher dafür sich mit der Maßnahme anfreunden zu können. Bei genauerer Betrachtung hätte diese Maßnahme so keinen Sinn gemacht, ich bin ganz froh dass nun klargestellt wurde, das schafft deutlich mehr Vertrauen und ist konsequenter. Außerdem werden Spielplätze und Sportplätze geschlossen, wenn Vereine dennoch Sportveranatltungen machen werden ihnen Fördermittel gestrichen.

UND: die vielleicht einschneidenste Maßnahme (die auch relativ früh kommt wie ich finde) alle Zivildiener die in den letzten fünf Jahren Zivildienst geleistet haben werden eingezogen, die Miliz ebenso! Generell finden viele Politiker sehr klare Worte und mahnen über die Partegrenzen hinweg Selbstisolation ein. #socialdistancing to #flattenthecurve

Im Anschluss ist Sebastian Kurz bei Pötzelsberger, der wieder das Gesicht der nächsten krise zu sein scheint, und spricht die getroffenen Gesetzesänderungen noch einmal in aller Deutlichkeit an. Es wird sehr bedrückend. Ausgangssperren, die Polizei die künftig jeden kontrollieren darf, keine Gruppenbildungen mehr. Es herrscht absoluter Ausnahmezustand. Die Berichterstattung macht klar, dass die Lage ernst ist. Die Reden aus dem Parlament haben sich geglichen, alle unterstützen die Maßnahmen und alle scheinen betroffen und sehr bei der Sache. Auch angespannt wirken alle.

Das Bundesheer hilft dem Lebensmittelhandel bei der Logistik, auch hier gibt es Berichterstattung über die Bemühungen die Versorgungssicherheit gewähren zu können. Die Lager sind gut gefüllt, man solle nicht hamstern, versuchen die Moderatoren zu beruhigen.

Ein Anästhesist in Salzburg hat sich in Ischgl iniziert und bereits mehrere Tage seinen Dienst wieder versehen. Er hatte Kontakt mit Patient*innen aus der Neonatologie und mit erkrankten aus der Onkologie. Mehrer Patient*innen wurden möglicherweise infiziert. Bis zu hundert Arztkollegen sollen in Quarantäne sein. Der ärztliche Leiter Primar Richard Kreil, der in der Pressekonferenz spricht, ist sichtlich und hörbar betroffen, informiert sehr sachlich. Es ist unerträglich seinen Ausführungen zuzuhören.

Die Informationen sind so drastisch und viel. Ich kann das nicht realisieren alles. Wir reden zuhause darüber und sind geplättet. Das ist nicht wirklich und dennoch echt.

Fast wie eine Erlösung gab es um 18:00 ein Konzert aus einem der Fenster unter uns. Ein Nachbar spielte eine Viertel Stunde und eröffnete somit die Corona Liederabende. Auf Instagram streamte der blonde Engel ein live Video, Mavi Phoenix hab ich auch kurz gesehen. Es ist alles eine Mischung aus Leere und Ungewissheit, aber auch irgendwie aus Aufbruch und Zusammenhalt. Ich empfinde eine gewisse Traurigkeit, jedenfalls ist es berührend und lässt einen nachdenklich werden.

Fassungslosigkeit ist wieder da.

Stand bestätigter Coronafälle: 860

Ich traue mich die Dunkelziffer nicht einmal anzudenken.

Generell will ich festhalten, dass die Experten die befragt werden sehr fachlich und ruhig agieren. Si erwecken großes Vertrauen, strahlen Menschlichkeit aus und können ihre Betroffenheit aber auch nicht verbergen!