Tag 10 – 19. März

Tirol ist dicht, ganz Tirol? Ja.

Was soll man dazu schreiben, ich trinke meinen Kaffee und lese die Nachricht in Ruhe noch einmal nach. Sehr sachlich und ohne große Emotionen, für die Tragweite einer solchen Meldung schon sehr entspannt. Was mich kurz überrascht und was nicht wirklich berichtet wurde gestern noch: auch Vorarlberg ist von dieser Maßnahme betroffen. Die Grenzen sind zu, Tirol auch. Vorarlberg ist also auch abgeschnitten, weil eine anderes Bundesland für sich eine Maßnahme ergreift. Über die politische Verantwortung Platters muss jedenfalls gesprochen werden. Verheerend auch die ausländischen Berichte.

Merkel tauch auf. In einer dringlichen Rede spricht sie zu den Deutschen. Sehr ernst, sehr verständnisvoll, kämpferisch und besonnen. Endlich ist sie wieder da, sie fehlt in dem Europa in dem gerade jedes Mitgliedsland sein eigenes Spiel zu spielen scheint.

Die EU existiert in dieser Krise nicht. Man hört nichts, ich habe den Eindruck man hat Corona einfach verschlafen während man sich in den neuen Büros gerade hübsch eingerichtet hat. Deshalb machen alle Staaten ihre eigen Lösungen, verfolgen eigenständige Ziele und schoten sich von den anderen ab. Danke für nichts liebe EU, wann wacht ihr endlich auf? Wird Zeit dass diese Struktur eindlich demokratischer und Transparenter wird, genau in solchen Situationen wäre es so wichtig. Die EZB will Geld locker machen, Von der Leyen schläft und die EU mit ihr hat es den Eindruck. Vielleicht kann Merkels Auftritt auch noch weitere Politiker*innen wachrütteln. Hallo, Guten Morgen, wir haben eine Pandemie, Ideen?

Bilder aus Italien, deren Echtheit leider unbestritten ist machen die Runde. Das Militär bringt Särge von Opfern aus der Lombardei in umliegende Krematorien, da die Kapazitäten der dortigen Bestattungsunternehmen erschöpft sind. Italien überholt China mit den Opferzahlen. Corona beginnt jetzt in Europa zu wüten. Italien hat und vorgewarnt. Die kommenden Tage wird sich zeigen ob wir gerade noch rechtzeitig den Meldungen aus Italien Glauben geschenkt haben. Die Warnungen aus China und die Empfehlungen der WHO haben wir wieder den Interessen der Wirtschaft untergeordnet. Italien du rettest Europa möglicherweise unter großen Verlusten und durch viel Leid den Arsch.

Den Tag über wird weiter über Maßnahmen und die Auswirkungen der Gestzesnovellen und deren Auslegung gesprochen. Kinder deren Eltern sollen nicht zwischen den Eltern wechseln, dann dürfen sie das aber doch wieder. Die Quarantäne ist keine Ausgangsperre, in Parks aber schon, eigentlich aber nicht, Versammlungen sind möglich, oder nicht, oder nur bis fünf Personen, oder nur mit Personen die im selben Haushalt leben. Auch der Gesundheitsminister scheint sich da nicht mehr ganz sicher zu sein was für wie lange und wann gilt.

Er sieht jedenfalls die ein-Meter-Abstandregel als eine Art Verfassungsgesetz und pocht auf das unbedingte Einhalten dieser Regel. Unser Alltag nimmt immer mehr neue Regeln auf. Man achtet ganz unwillkürlich darauf wie oft man sich ins Gesicht greift, jedes mal Hände waschen sehe ich kleine Viren von der Hand auf den Wasserhahn, von dort zurück auf meine Hand, ins Handtuch und ins Gesicht hüpfen. Sie sind überall. Aber die frühsommerlichen Tage mit Temperaturen um 20 Grad wiegen uns in trügerischer Sicherheit und lässst viele Leute in die Parks gehen und das wiederum mag der Gesundheitsminister nicht. Der ist hin und hergerissen zwischen loben weil alle so brav sind und schimpfen weil alle noch braver sein sollten. Und wenn nur fünf Prozent nicht mitmachen, dann ahut uns das die ganze Maßnahme zsamm, sagt er in einem sehr sympathischen Oberösterreichisch.

Rudi Anschober kann man von Anbeginn der Krise vertrauen und wenn man bedenkt, dass er nur etwa ein Monat im Amt war als das richtig los ging, kann man ihm nur größten Respekt zollen! Nicht vorstellbar, dass seine Vorgängerin statt ihm die Richtung vorgeben könnte.

Wir bemerken, dass die Tage schneller vergehen als man denkt und freuen uns auf den morgigen Tag, da wird es ein onlinekonzert gebenm das wir uns gemeinsam ansehen möchten. Überhaupt gibt es viel Kreatives im Netz. Noodle light, kannte ich noch nicht.

Nehammer spricht in einer Pressekonferenz vom Nachmittag, die ich am Abend noch nachsehe explizit auch Maßnahmen auf Lesbos an und versichert Unterstützung und humanitäre Hilfe. Er gibt zu, dass dieses Thema von Corona überlagert wird, dass man sich aber darum kümmere. Ich fühle Erleichterung, dass man sich vor dieser verantwortung auch in dieser Situation jetzt nicht drückt. Das klang vor wenigen Tagen vom Kanzler noch ganz anders und Kogler durfte nicht einmal seine Privatmeinung äußern ohne sofort zurechtgewiesen zu werden.

Tag 9 – die 18. Märzin

Guten Morgen, wieder Sonne, wieder Laufen, wieder Kaffee in der Sonne. Kurz Einkaufen – mit schlechtem Gewissen. Die Straßen sind leer. Zumindest in meiner Gegend und früh am Morgen. Es gibt viele Berichte, dass zu viele Menschen auf den Straßen sind und deshalb die Bewegungsfreiheit weiter eingeschränkt werden sollte. Ausgangsperren werden immer wieder überlegt, sie scheinen immer wieder realer zu werden.

Die Zahlen in Tirol steigen rasch, auch in Oberösterreich gibt es immer mehr infizierte. Flachau wird zur Quarantäne, ebenso das Gasteiner Tal. Die Menschen dürfen ihre Ortschaften nicht mehr verlassen, die Polizei kontrolliert die Bevölkerung insbesondere auf der Straße. An den Grenzübergängen vor allem zu Ungarn gibt es einen Stau von über 50 km Länge, der von der Polizei aufgelöst werden muss. Die Grenze ist zu, Güter dürfen dennoch durch, Menschen die auf dem Weg in ihre Heimat sind, oder durch Österreich durch müssen blockieren die Straßen und es kommt zu Konftontationen. Die Grenzen werden für wenige Stunden geöffnet. Wir sind wieder zurückversetzt in die Zeit vor Schengen. Wir haben wieder Grenzen. Ich dachte nicht dass ich das noch einmal erleben muss, vor allem nicht so plötzlich und unter solchen Bedingungen.

Unsicherheit macht sich immer noch breit, nach wie vor sind viele Fake Nachrichten im Umlauf, die Regierung warnt auch immer wieder davor. Es scheint plötzlich so als würden Fakten ganz plötzlich wieder an Bedeutung gewinnen, das war ja besonders auch von der Kanzlerpartei die vergangenen Jahre bewusst umgangen worden. Zwei Länder die immer noch große Schwierigkeiten mit dem Virus zu haben scheinen sind USA und England. Hier ist es nach wie vor so, dass die Bevölkerung erst die Politik überzeugen muss endlich zu handeln. In diesem Vergleich sind wir fast schon gesegnet. Auch in Deutschland wird es schön langsam mal Zeit, dass endlich einheitliche Maßnahmen beschlossen werden. Von außen betrachtet sind wir da gefühlt ein paar Tage voraus und haben insbesondere wichtige Gesetze bereits in Umsetzung und auch in Diskussion. Merkel fehlt mir an dieser Stelle schon. Sie tritt öffentlich kaum in Erscheinung.

Die Nachrichten aus Italien sind nach wie vor vernichtend. Unglaubliche Zahlen was die Todesopfer betrifft, Italien zieht bei Opfern von Coroba mit China gleich.

Deutschland gibt endlich die bestellten medizinischen Hilfmittel und Masken frei, die so dringend benötigt werden und mangels deutscher Ausfuhrgenehmigungen (Schengen, Freihandel!?) an der Grenze warten müssen. Was hinter dieser Posse steckt ist sehr rätselhaft, beschöäftigt aber auch bereits seit Tagen die Vertreter der Regierung. Nun gibt es endlich wieder Masken – vorerst, denke ich bei mir.

Bei Willkommen Österreich wird ein Deepfake Video von Sebastian Kurz gezeigt, erstellt von Kurt Fleisch, der vor wenigen Wochen auch schon eine Strache die Ansprache aus dem great Dictator halten ließ, ebenfalls sehr gelungen. Heute singt der kanzler und macht uns Hoffnung, dass alles wieder gut wird.

Abends sind wir zu müde uns nochmal die Nachrichten anzusehen, dennoch schrecken wir noch einmal kuz auf. Über ganz Tirol wird eine Ausgangssperre verhängt. Der Gesundheitsminister wurde anscheinend knapp vom Landeshauptmann über diese Maßnahmen (ist Ländersache) informiert. Die Kommunikation mit Tirol dürfte nicht wirklich gut funktionieren, Kurz hatte bereits mehrer kleine Seitenhiebe diesbezüglich abgegeben, Tirol agiert irrational unverantwortlich und unsolidarisch ist die breite Meinung.

Ich denke an meine Schwester die mit ihrer Familie in Tirol lebt. Ihnen geht es gut und sie haben die besten Voraussetzungen für diese Krise, aber eine Ausgangssperre bedeutet nochmal ganz andere Herausforderungen. Ich werde sie morgen anrufen.

Vielleicht versucht man nun das Bundesgebiet vom Westen her zu schließen. Die kommenden Tage werden sich stark um diese Frage drehen denke ich. Alle kommenden und weiteren Maßnahmen werden mittlerweile kritisch beobachtet. Die Befugnisse für einzelne Politiker sind sehr ausgeweitet worden, die Finanzmittel sind riesig (statt vier wurde die Summe heute auf 38 Milliarden erhöht! und der Finanzmisister singt ein Loblied auf den Sozialstaat und mahnt dessen Wichtigkeit ein!) und Freiheitsrechte sind ebenso großteils ausgesetzt wie der Datenschutz. A1 bietet Bewegungsprofile ihrer Kunden freiwillig und selbstständig der Regierung als Unterstüzuung zur erstellung von Bewegungsprofilen an. Sie sollen das Modellieren neuer Prognosen erleichtern.

Über die Inhalte des beschlossenen Epidemiegestzes darf man nicht zu lange nachdenken, das führt ohnehin bei zu vielen zu verschiedensten Verschwörungstheorien. Das Vertrauen in die Regierung ist schon sehr fordernd gerade. Die Neos fordern als Opposition die Begrenzung des Epidemiegesetzes auf ein Jahr ein. Mit Erfolg. Etwas beruhigend.

Tag 8 – 17. März

Der zweite Tag in Folge an dem wir uns ein bisschen aus der Informationsflut herausnehmen. Das Wetter ist schön, wir kümmern uns um unseren Balkon und pflanzen ein paar Blumen ein, ebenso Salat. Gestern Abend haben wir bis lange nach Mitternacht ein Brettspiel gespielt, das wollen wir heute wiederholen. Es war so erleichternd, ein paar Stunden abgelenkt zu sein und nicht rund um die Uhr Nachrichten zu hören und sich mit Corona zu beschäftigen.

Man bekommt die Ereignisse und Diskussionen ohnehin mit, wir hören immer noch täglich den Podcast von Drosten, shen mittags die Pressekonferenzen noch an, sitzen zwischendurch aber in der Sonne und trinken Kaffee. Zuhause selbstverständlich.

Ischgl und Tirol sind nach wie vor das beherrschende Thema. Es wird immer deutlicher, dass hier mit der Gesundheit vieler Menschen gespielt wurde. Die Bilanzen der Tourismusbetriebe schien in Tirol wichtiger als die Gesundheit der Bevölkerung. Jetzt ist nicht die Zeit für politische Anklage, aber die Landesregierung hat in Tirol wohl ordentlich versagt und sowohl Tiroler*innen, wie auch Urlauber*innen aus ganz Europa gefährdet.

Es gibt eine weitere Person die an Corona verstorben ist. In den sozialen Medien wird reflexartig und unermüdlich darauf hingewiesen, dass die Verstorbene Vorerkrankungen hatte. An diesen Strohhalm scheinen sich viele zu klammern und werden nicht müde das wie ein Mantra immer wieder zu betonen.

Teilweise erscheinen die Tage erstmals normal, bis der nächste Realitätsflash einen wieder ins Hier katapultiert.

Die Regierung sagt immer größere finanzielle Hilfspakete in Aussicht. Die ursprünglich angekündigten vier Milliarden werden wohl etwas mehr werden im Laufe der Zeit, die geplante Rede des Finanzministers wird abgesagt.

Ein Interview mit Armin Wolf offenbart die Situation um Ischgl. Einer der Verantwortlichen behauptet immer noch alles im Griff gehabt zu haben. Allein die Zahlen der Infizierten skandinavischen Urlauber übersteigt die Zahl der offiziell in Österreich registrierten positiv getestetetn Fälle. Alles im Griff sieht anders aus, das kann auch ein Laie erkennen. Ob die ahnen was sie da wissentlich und voller Absicht in Kauf genommen haben?

Am Abend spielen wir wieder ein Brettspiel.

Tag 6 – 15 März, Sonntag

Ein wunderschöner sonniger Tag beginnt, alles ist ruhig, ich gehe gleich früh am Morgen mit Johanna eine kleine Runde laufen. Es hat etwas sehr unwirkliches: wir laufen durch die Straßen, es ist ein wundervoller, für die Jahreszeit eigentlich recht waremer, Frühlingstag (noch nicht einmal) und über der Stadt, über dem Land und über der ganzen Welt breitet sich ganz lautlos eine Pandemie aus. Eine der vielleicht größten weltweiten Krisen die man sich vorstellen kann findet genau in diesem Moment gerade statt und nimmt seinen Lauf. Der Ausgang ist noch unbekannt, in China sollen die Neuerkrankungen zwar zurückgehen, Christian Drosten warnt aber davor, dass uns Corona bis weit in den Sommer hinein begleiten könnte, eventuell sogar darüber hinaus.

Nach dem Laufen trinken wir Kaffe und hören die Sondersitzung des Parlaments. Es ist sehr beeindruckend wie rasch die benötigten Gesetze jetzt beschlossen und umgesetzt werden. Alle! Parteien tragen die Maßnahmen mit und es gibt (derzeit) keine politischen Auseinandersetzungen unter den Parteien. Das ist sehr positiv, in anderen Ländern sind die Maßnahmen aufgrund der explosionsartigen Ausbreitung ohne gesetzliche Rahmenbedingungen und lösen zusätzliche Verunsicherung aus (Italien), in anderen Ländern gibt es zu Corona auch noch ungelöste Probleme die weiter bestehen (Gelbwestenproteste in Frankreich inklusive Zusammenstößen mit der Polizei). Andere Länder haben das Pech sich mit ihren inkompetenten Präsidenten/Premiers herumschlagen zu müssen (USA & UK).

In Italien sind die Zahlen schwindelerregend und die Bilder verheerend. Ein Bericht der Welt.de geht viral, der auf ganz tragische Weise deutlich macht wie die Situation in Italien ist. Wir hoffen, dass es uns nicht so hart treffen wird (schwer auszuhalten das zu lesen). Weiterhin gibt es große Kritik daran weshalb so wenig getestet wird. Eine klare Ansage wäre diesbezüglich endlich wünschenswert. Gibt es keine Kapazitäten, ist es ohnehin längst egal, will man es nicht zu genau wissen? Generell scheint es, dass die Bevölkerung alle Maßnahmen gut und ruhig mitträgt, so lange sie klar und offen kommuniziert werden.

Wir haben eine Sondersitzung am Sonntag! Alle Gesetze werden durchgewunken, der Kanzler verschärft die Maßnahmen wieder und kündigt an nun doch ab Montag bereits alle Bars usw. schließen zu wollen. Keine große Überraschung, die Meldung dass sie bis 15.00 Uhr geöffnet bleiben dürften, diente wohl eher dafür sich mit der Maßnahme anfreunden zu können. Bei genauerer Betrachtung hätte diese Maßnahme so keinen Sinn gemacht, ich bin ganz froh dass nun klargestellt wurde, das schafft deutlich mehr Vertrauen und ist konsequenter. Außerdem werden Spielplätze und Sportplätze geschlossen, wenn Vereine dennoch Sportveranatltungen machen werden ihnen Fördermittel gestrichen.

UND: die vielleicht einschneidenste Maßnahme (die auch relativ früh kommt wie ich finde) alle Zivildiener die in den letzten fünf Jahren Zivildienst geleistet haben werden eingezogen, die Miliz ebenso! Generell finden viele Politiker sehr klare Worte und mahnen über die Partegrenzen hinweg Selbstisolation ein. #socialdistancing to #flattenthecurve

Im Anschluss ist Sebastian Kurz bei Pötzelsberger, der wieder das Gesicht der nächsten krise zu sein scheint, und spricht die getroffenen Gesetzesänderungen noch einmal in aller Deutlichkeit an. Es wird sehr bedrückend. Ausgangssperren, die Polizei die künftig jeden kontrollieren darf, keine Gruppenbildungen mehr. Es herrscht absoluter Ausnahmezustand. Die Berichterstattung macht klar, dass die Lage ernst ist. Die Reden aus dem Parlament haben sich geglichen, alle unterstützen die Maßnahmen und alle scheinen betroffen und sehr bei der Sache. Auch angespannt wirken alle.

Das Bundesheer hilft dem Lebensmittelhandel bei der Logistik, auch hier gibt es Berichterstattung über die Bemühungen die Versorgungssicherheit gewähren zu können. Die Lager sind gut gefüllt, man solle nicht hamstern, versuchen die Moderatoren zu beruhigen.

Ein Anästhesist in Salzburg hat sich in Ischgl iniziert und bereits mehrere Tage seinen Dienst wieder versehen. Er hatte Kontakt mit Patient*innen aus der Neonatologie und mit erkrankten aus der Onkologie. Mehrer Patient*innen wurden möglicherweise infiziert. Bis zu hundert Arztkollegen sollen in Quarantäne sein. Der ärztliche Leiter Primar Richard Kreil, der in der Pressekonferenz spricht, ist sichtlich und hörbar betroffen, informiert sehr sachlich. Es ist unerträglich seinen Ausführungen zuzuhören.

Die Informationen sind so drastisch und viel. Ich kann das nicht realisieren alles. Wir reden zuhause darüber und sind geplättet. Das ist nicht wirklich und dennoch echt.

Fast wie eine Erlösung gab es um 18:00 ein Konzert aus einem der Fenster unter uns. Ein Nachbar spielte eine Viertel Stunde und eröffnete somit die Corona Liederabende. Auf Instagram streamte der blonde Engel ein live Video, Mavi Phoenix hab ich auch kurz gesehen. Es ist alles eine Mischung aus Leere und Ungewissheit, aber auch irgendwie aus Aufbruch und Zusammenhalt. Ich empfinde eine gewisse Traurigkeit, jedenfalls ist es berührend und lässt einen nachdenklich werden.

Fassungslosigkeit ist wieder da.

Stand bestätigter Coronafälle: 860

Ich traue mich die Dunkelziffer nicht einmal anzudenken.

Generell will ich festhalten, dass die Experten die befragt werden sehr fachlich und ruhig agieren. Si erwecken großes Vertrauen, strahlen Menschlichkeit aus und können ihre Betroffenheit aber auch nicht verbergen!

Tag 5 – 14. März

Der Tag beginnt mit einem wunderschönen Sonnenaufgang und ich trinke meinen Kaffe am Balkon.

Testungen sind in den sozialen Medien wieder ein Thema. Immer noch wird nach dem alten Schema getetste. Nur Menschen mit akuter Symptomatik und mit direktem Kontakt oder wenn sie in einem betroffenen Gebiet waren (gerade das erscheint derzeit merkwürdig, da bereits eine reisewarnung für die ganze Welt! ausgegeben wurde) werden auf Corona getestet. Ich lese häufig, dass andere Länder deutlich mehr testen würden (Schweiz, Südkorea) und dass ein SARS-COV-2 Test verfügbar sein soll, der raschere Testungen ermöglichen soll. Stand Samstag früh an Corona positiv getester Personen: 602

Mit Marylyn Addo spricht endlich eine Frau statt dem nach wie vor sehr empfehlenswerten Christian Drosten darüber wie es mit der Impfforschung steht. Sie rechnet mit etwa einem Jahr.

In Ischgl sollen sich mehr als 130 Dänen mit Corona infiziert haben, Island warnte bereits am 5.3.20! vor Ischgl als Reiseziel, gestern wurde es offiziell unter Quarantäne gestellt. Anscheinend gab es sogar Coronapartys in einer bekannten Bar.

Ich besorge mir neue Laufschuhe und möchte die nächste Wochen nutzen etwas fit zu werden. Vor dem Geschäft warten mehrere Leute ganz selbstverständlich draussen und werden nacheinander aufgerufen. Kein Murren und auch kein großes Erklären ist notwendig.

Einzelne Unternehmen wie die Möbelkette XXXLutz schreiben heute! noch Mitteilungen an die Mitarbeiter, dass diese am Montag in der Arbeit zu erscheinen haben. Sie geben als Begründung an, dass die arbeitsrechtliche Situation noch nicht gänzlich geklärt sei (die Gesetze hierzu sollen Samstag und Sonntag in Sondersitzungen beschlossen werden). Ich habe dafür wenig Verständnis, auch Cateringfirmen, Hotels und ähnliches wollen im großen Stil Mitarbeiter abbauen. Sehr solidarische Verhalten liebes DO & Co, wieviele Millionen Gewinn macht ihr nochmal pro Jahr? Die Regierung will Haftungen übernehmen und überlegt weitere Maßnahmen diesbezüglich, hoffentlich kann das solche Unternehmen überzeugen die Mitarbeiter nicht zu kündigen.

Zu etwas schönem: In Italien singen Menschen in Quarantäne von den Balkonen, das und die Frage welches Lied wir singen sollten bewegt Twitter heute besonders stark.

Immer wieder sieht man verärgerte Postings von überfüllten Einkaufsstraßen, von Menschen die in Kaffehäusern und vor Restaurants sitzen. Die Ernsthaftigkeit der Lage ist vielen noch nicht bewusst wie es scheint. Immer vehementer mahnen Politiker genau diese Ernsthaftigkeit aber ein. Sehr eindringlich die Rede von Kanzler Kurz in einer weiteren Zib Spezial um 20:15. Diese Sondersendungen werden schon zur Routine, der ORF, aber auch die Privaten wie Puls 24 übertragen fast rund um die Uhr Parlamentssitzungen, Sondersendungen, Infos. Eh wichtig, viele glauben es erst wenn sie es im Fernsehen gesehen haben (vor allem Ältere).

Abends gibt es eine weitere Sondersendung der Zeit im Bild: Kurz ist so deutlich wie noch nie. Er spricht davon dass Menschen sterben werden. Ein beklemmendes Gefühl das diese Worte auslösen. Jetzt ist es raus.

Er spricht weiter von Lazaretten und ich habe sofort die Bilder aus Italien im Kopf: dutzende Menschen, auf Feldbetten liegend, mit blauen Decken halsabwärts zugedeckt. Sie werden von Ärzten in ganzkörper Schutzausrüstungen betreut und werden abgesondert in Lagerhallen versorgt.

Wir essen Gemüsewraps.

Stand bestätigter Coronafälle: 655

Tag 4 – 13. März

Heute noch einmal an die FH, vielleicht letzte Prüfung dort für einige Zeit. Ich bin recht zeitig dort weil ich bereits am Weg war und die Zeit noch zum lernen nutzen wollte. Neurogene Dysphagie – Schluckbeschwerden, sehr spannende und gute Lehrveranstaltung, aber ich habe mcih nur schwer auf das Lernen konzentrieren können; das ging den meisten so, spätestens nach den Ankündigungen der letzten Tage ist die Anspannung überall zu spüren. Die FH ist komplett Menschenleer, in der normalerweise nis auf den letzten Platz gefüllten Mensa ist es Menschenleer, drei Personen essen im großen Saal. Mehrere leere Tischen trennen sie, die Köche stehen ruhig in der Küche, es ist gespenstisch. Alles ist ruhig wo üblicherweise hunderte angeregte Gespräche und Lachen einen Wald aus Geräuschen bilden. Ich esse eine Suppe und setze mich zu meinem Studiengangsleiter, der mitten im Saal an einem Tisch sitzt.

Bei Verabschieden entscheiden wir uns sehr lässig für den Fußgruß anstatt uns mit den Ellbogen abzuklatschen.

Fh Campus Wien via @Ines

Ich warte an der FH nicht nur auf die Prüfung, sondern auch auf eine von der Regierung angekündigte Pressekonferenz. Statt zu Mittag findet sie aber erst um zwei statt, neue Maßnahmen sollen angekündigt werden. Seit gestern Abend kursieren immer mehr Gerüchte durch Whatsapp Gruppen, vor denen mittlerweile auch offiziell gewarnt wird.

warten

Die Regierung schränkt Gastronomie und Handel ab Montag ein. Nicht versorgungsnotwendige Geschäfte schließen. Lebensmittelhandel, Apotheken, Banken, Trafiken, Tankstellen und einige weitere Geschäfte bleiben offen.

Restaurants, Bars und Cafés werden nur bis 15 Uhr geöffnet haben dürfen.Um 11 Uhr am Samstag stellt die Regierung Hilfsmaßnahmen für die heimische Wirtschaft vor.
Die Messehalle in Wien wird vorsorglich für ein Groß-Lazarett vorbereitet. In einem ersten Schritt werden in der Halle A ab nächster Woche 880 Betten verfügbar sein.
Das Tiroler Paznauntal und St. Anton/Arlberg stehen die nächsten 14 Tage unter Quarantäne. Skigebiete auch in Kärnten und der Steiermark sperren nach diesem Wochenende verfrüht zu.
In Länder, in denen sich das Virus besonders schnell ausbreitet (Spanien, Schweiz, Frankreich), wird es ab Montag keine Flugverbindungen mehr geben. Seit Mitternacht gibt es Grenzkontrollen zwischen Österreich und der Schweiz.

Kurz weist sehr deutlich darauf hin, dass die Versorgung jedenfalls sichergestellt ist und es keinen Grund für Hamsterkäufe gibt. Die finden gerade in großen Ausmaß statt. Klopapier ist ein riesenhit im Netz, aber auch in den Einkaufwagerln. Nudeln sind fast überall aus, Reis und Mehl ebenso. Die Mitarbeiter im Supermarkt sind großartig! SIe schlichten von früh bis spät die Regale voll. Sind freundlich und spüren den Stellenwert der ihnen gerade zukommt. Sie sind aber voll gefordert.

Das Patznauntal ist unter Quarantäne. Diese Nachricht muss ich erst noch verarbeiten. Mit dem Rest kann ich gut umgehen, wir haben das alles die letzten Tage schon gut durchgesprochen. Kinderbetreuung geht bei uns zum Glück gut, das ist aber ein großes Problem wie bei fast allen Eltern in meinem Umfeld höre. Erste Ideen kursieren auf Twitter wie man sich da gegenseitig helfen könnte.

Neurogene Dysphagie

Puls 24 beginnt mit der Übersetzung von Regierungsanweisungen in weitere Sprachen und reagiert somit auf viele Hinweise, dass die Regierung ihre Information nicht nur in Gebärden (was seit anfang an gemacht wird), sondern auch in arabisch, türkisch, kroatisch und weiteren Sprachen verfügbar zu machen.

mehrsprachige Hinweise auf Puls24

Am Abend ist Van der Bellen mit einer Ansprache an Österreich in der Zeit im Bild. Er macht das auf seine menschliche Weise wie gewohnt ruhig, mit Humor und indem er alle mit einbezieht. Er bedankt sich für die allgemeine Mithilfe und bestärkt die Menschen darin zusammenzuhalten und gemeinsam Corona zu überwinden.
Unser Bundespräsident verabschiedet sich mit einem lächelnden Namasté

Stand bestätigter Coronafälle: 504

Es war ein Freitag der 13, darüber hat aber kaum jemand nachgedacht.

Tag 3 – der 12. März

Als Grundlage für eine Corona Testung gilt weiterhin: akute Symptomatik muss vorliegen und zusätzlich muss entweder Kontakt mit einer bestätigt positiv getesteten Person bestanden haben, oder ein Aufenthalt in einem betroffenen hochrisiko Gebiet muss vorliegen (z.B. China oder Italien).

In der Nacht hat Donald Trump eine Rede gehalten, oder besser gesagt abgelesen. Amerika schließt den kompletten Flugverkehr mit Europa, Waren dürfen weiterhin geliefert werden, England ist davon ausgenommen. Er sagt, dass seine Politik die beste sei, Amerika das beste Gesundheitssystem der Welt habe und die USA gestärkt und besser aus Corona hervorgehen werde. Ich habe bei jedem Wort das Gefühl, dass er wohl gedrängt wurde das starr abzulesen und ja nichts Trump typisches zu machen.

Generell habe ich nicht gut geschlafen gestern, morgen sollte ich eine Prüfung schreiben für die ich noch nicht viel gemacht habe und ich beschäftige mich viel damit ob ich meine Tochter zu meinen Eltern bringen kann.

Für heute erwarte ich leider weitere Überraschungen, ich kann mir vorstellen, dass die Schulschließungen konkretisiert werden und dass es heute einen spürbaren Anstieg an Hamsterkäufen geben wird nach den neuen Entwicklungen in Italien. Für mich gibt jetzt einmal Kaffee.

Wir haben den ersten offiziellen Todesfall in Wien, der mit Corona in Verbindung gebracht wird. Ein 62 jähriger verstarb auf der Intensivstation eines wiener Krankenhauses wo er bereits seit über einer Woche akut behandelt wurde.

Da wir den Tag über zufällig gemeinsam zuhause sind, rede ich mit meiner Freundin privat viel darüber wie die kommenden Wochen verlaufen werden, was noch auf uns zukommen wird. Die Stimmung ist eigentlich ganz entspannt, wir sind uns nicht in allem einig, aber machen uns dennoch einen groben Plan und sind uns bewusst, dass sich dieser jederzeit ändern kann. Wir haben ganz pragmatisch Dinge besprochen die uns betreffen könnten: wir werden unsere Eltern nicht besuchen in den nächsten Wochen, wir werden nicht hamstern, aber geben darauf acht, dass nichts ausgeht. Wir wollen mehr Sport machen, frisch kochen, niemanden einladen und daheim bleiben. Ich habe Briefmarken gekauft und werde mit meiner Tochter eine Brieffreundschaft starten. Neben ausgiebiger Videotelefonie selbstverständlich, hier müssen wir die Großeltern noch in eine Videokonferenz einbauen, das ist ein Projekt für die kommenden Tage.

Neben den ganzen schrecklichen Nachrichten gibt es die ersten guten Memes und Witze. Wenige und zurückhaltend noch, aber doch. Hamstern ist ein Thema das gerne aufgegriffen wird.

Kinder, ich erzähle euch eine Geschichte……

Am Abend haben wir noch kurz Besuch von Johannas Bruder, wir sehen uns gemeinsam die Nachrichten an, jausnen und es nicht ganz so unbeschwert wie sonst. Beim Verabschieden verzichten wir auf Umarmungen, etwas im Scherz, aber dennoch bewusst. Wir rechnen nicht ernsthaft damit uns rasch wiederzusehen. Er fährt am kommenden Tag zu den Eltern nach Niederösterreich, dort wird er seinen Job von Hause aus am Laptop erledigen.

Stand Coronaerkrankter um 19 Uhr: 361 bestätigte Fälle

Tag 2 – der 11. März

Der heutige Tag begann damit, dass ich einkaufen gegangen bin. Auf den öffentlichen Plätzen, an denen ich auf meinem Weg vorbeikomme, waren deutlich weniger Menschen als sonst. Auch die öffentlichen Verkehrsmittel sind verhältnismäßig leer. Ich bemerkte, dass besonders Gemüse und Nudeln im Supermarkt knapp sind, obwohl die Mitarbeiter des Supermarktes alle mit Nachräumen beschäftigt zu sein scheinen. Bisher kannte ich das nur aus Bildern die schon seit Tagen auf social media verbreitet werden. Ich denke mir nicht viel dabei und habe vor nicht sonderlich mehr als sonst auch einzukaufen, aber am Ende lande auch ich mit einem ziemlich vollen Einkaufswagen an der Kassa.

Unser Studiengang bekommt eine weitere Email, diesmal von der Studiengangsleitung, man ruft uns zu Besonnenheit auf, teilt uns mit, dass intensiv daran gearbeitet wird Wege zu finden wie wir von zuhause aus lernen können und dass wir Zuversichtlich sein sollen. Wir besprechen das intern, es bleiben viel Fragen ungeklärt zurück, aber man hat Verständnis dafür, dass das etwas dauern wird. Ich bin noch nicht sicher ob sich die Idee der Fernlehre so leicht umsetzen lassen wird. Auch ein zeitlicher Rahmen ist derzeit noch nicht absehbar wie lange es besondere Maßnahmen geben wird müssen, das wird eine große Anstrengung für alle.

Gestern wurden auch generell alle Veranstaltungen abgesagt die indoor von mehr als hundert und outdoor von mehr als 500 Personen besucht werden. Das führt zu großer Unsicherheit bei Musikern, Schriftstellern, Kabarettisten und Menschen die Vorträge und ähnliches abhalten, aber auch zu Existenzängsten bei Veranstaltern und Agenturen und deren Mitarbeitern. Der Tourismus beklagt große Ausfälle, Fluglinien planen in Kurzarbeit umzustellen. Im Laufe des Vormittags gibt es finanzielle Zusagen von Seiten der Regierung, aber auch der EU. Kanzlerin Merkel meint sinngemäß man werde sich im Anschluss an Corona um die finanzielle Situation kümmern, das habe derzeit nicht oberste Priorität. Und das obwohl vor zwei Tagen die Börsen allesamt mit riesengroßen Verlusten konfrontiert waren (das war ja ach noch). Die USA haben kurzfristig den Handel ausgestzt und der Erdölpreis ist so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Eine weitere Tragödie findet zeitgleich an den Außengrenzen der EU statt. Flüchtlinge auf Lesbos stehen europäischen Einheiten gegenüber, Tränengas und Gummigeschoße werden eingesetzt um die Flüchtlinge daran zu hindern in die EU zu kommen. Tausende unbegleitete Minderjährige hungern im Dreck und werden als Spielball der Politik benutzt. In den vergangenen Tagen wurde ihnen mehrmals und quer durch Europa die Menschenwürde abgesprochen. Das geht derzeit in der Berichterstattung und Aufmerksamkeit unter. Ich hoffe, dass man hinter den Kulissen dennoch weiter an einer Lösung dieses Übels arbeitet. Einzelne Gemeinden bieten an Flüchtlinge aufnehmen zu wollen.

Mittags folgt die nächste Überraschung: Alle Schulen sollen geschlossen werden. Am kommenden Freitag soll die Schule für alle Schüler*innen ab 14 enden, am kommenden Mittwoch generell für alle Schüler*innen. Es müssen noch viele Lösungen erarbeitet werden um die Betreuung der Kinder sicherzustellen, die arbeitsrechtlichen Bedingungen zu schaffen und zu gewähren, dass Lohnfortzahlungen jedenfalls gesichert sind. Das scheinen ziemlich große Brocken zu sein, die Auswirkung auf das wirtschftliche und gesellschaftlioche Zusammenleben wird sich sehr ändern müssen, zumal die Großeltern explizit nicht die Betreuung von Enkelkindern übernehmen sollten. Sie sind die Gruppe die es zu schützen gilt. Wir als Gesellschaft müssen die Alten Menschen schützen, da sie am stärksten vom Corona Virus betroffen sind heist es wiederkehrend.

Die Schulen schließen, jetzt ist es fix.

Ein Hinauszögern der Neuinfektionen stellt wohl die beste Möglichkeit dar sicherzustellen, dass ausreichend Intensivbetten in den Krankenhäusern für Menschen zur Verfügung stehen werden, die diese dann benötigen.

via: https://medium.com/@tomaspueyo/coronavirus-act-today-or-people-will-die-f4d3d9cd99ca

„Die Krankenhäuser sind unsere zentralen Institutionen, die wir erhalten müssen.“

Mittlerweile gibt es Berichte aus Italien in denen von der völligen Überlastung des Krankenhaussystems in der Lombardei berichtet wird. Die Versorgung sei nicht sichergestellt, es gibt Berichte von Triagen bei Notfallpatienten. Die Lage in Italien ist besonders ernst. Sie wurden in Europa als Erste und am heftigsten von dem Corona Virus erfasst. Sie haben derzeit nicht nur die höchste Ansteckungsrate, am Wochenende starben über hundert Menschen an den Folgen der Infektion. Auch in Italien herrscht Knappheit an Desinfektionsmittel, Masken und Schutzbekleidung. Davor wird auch bei uns schon seit wenigen Tagen gewarnt. Deutschland und Frankreich haben ihre medizinischen Materialien vom Export in andere Länder ausgeschlossen. Kanzler Kurz thematisiert dies heute und fordert Solidarität ein.

An den Grenzen zu Italien gibt es wieder Grenzkontrollen, der Personenzugverkehr wurde eingestellt und Kärnten will zwei Grenzübergänge generell schließen. Es passieren so viele Dinge gleichzeitig, dass man rasch den Überblick verliert. In Vorarlberg will man die Wahl trotz des Corona Viruses dennoch abhalten, erinnert aber an die Möglichkeit Wahlkarten verwenden zu können. In einer Pressekonferenz der wiener Gesundheitsbeauftragten wird bestätigt, dass aufgrund eines Corona Falles die Geburtshilfestation am SMZ Ost gesperrt werden musste. Der deutsche Virologe Christian Drosten schlägt hierzu tägliche Testungen des Krankenhauspersonals mittels Mundabstrichen vor, die Tests würden das Virus schon anzeigen bevor die Person selbst ansteckend sei. Alle Ärzt*innen, Pfleger*innen und alle die im Gesundheitsdienst beschäftigt sind haben sehr intensive und entbehrungsvolle Wochen vor sich, das zeigt sich immer deutlicher.

Am Nachmittag habe ich begonnen Sauerteig anzustellen um ein Brot zu backen. Dafür habe ich für gewöhnlich zu wenig Zeit, deshalb wollte ich diese Gelegenheit nutzen. In drei Tagen ist der Sauerteig fertig und ich kann Brot backen. Darauf freue ich mich schon sehr, ich hoffe dass es gelingt.

Mein Sauerteig: 50g Roggenmehl und 50g Wasser (~40Grad) gut verrühren und 24 Stunden zugedeckt stehn lassen. Dann wird er wieder gefüttert.

Fast nebenbei höre ich die Meldung, dass alle Bundesmuseen und auch der Tiergarten Schönbrunn ab Donnerstag schließen. Eigentlich auch eine ganz große Nachricht, aber die geht heute fast unter in den ganzen Ankündigungen.

in meinem Umfeld bekomme ich viel Unsicherheit mit wie man mit der Kinderbetreuung vorgehen sollte, ob man sich Urlaub nehmen müsse, ob man diesen bekomme und ob der Lohn weiter fortbezahlt werden wird. Es ist Unsicherheit spürbar, aber subjektiv empfinde ich die Stimmung etwas angespannt, aber dennoch unaufgeregt.

Heute Abend habe ich begonnen diese Seite zu machen. Ich habe gestern kurz zusammengeschriebn was passiert ist, warum weiß ich nicht genau, es macht mir aber Spaß und ich verfolge kein bestimmtes Ziel damit. Vielleicht höre ich in zwei oder drei Tagen wieder damit auf. Am Freitag habe ich eine Prüfung, die auch noch stattfinden wird, vielleicht drücke ich mich einfach vor Lernen.

Italien schließt alles außer Krankenhäuser, Apotheken und Supermärkte

In den Nachrichten um 22:00 dann die nächste Stufe von schlechten Nachrichten. Der Bildungsmininister hat gerade die Pläne zu den Schulschließungen näher ausgeführt, die alle einschneidend sind und in völlig unbekanntem Ausmaß stattfinden. Vermutlich hätte man vor einer Woche noch über jede dieser Nachrichten mehrere Sondersendungen gemacht, jetzt bleiben diese Schreckensmeldungen kurz stehen und bevor man sich der konsequenzen bewusst werden kann, bricht die nächste „Maßnahme“ über uns herein:

Italien schließt alle Bars, Fitnesscenter, Lokale, Friseure usw. Nur Supermärkte, Apotheken und Gesundheitseinrichtungen bleiben geöffnet. Wie es mit dem (öffentlichen) Verkehr aussieht ist derzeit noch nicht bekannt. Na Bumm.

Ich gehe schlafen, besser wird es heute nicht mehr. Die WHO stuft das Corona Virus als Pandemie ein (einfach abnicken diese Meldung und hinnehmen) und Liverpool ist aus der Champions Leage draussen, deshalb gibt es noch den Klopp mit einem Statement von vor zwei Tagen.

Stand bestätigter Coronafälle: 246

#letsdothistogether

Tag 1 – der 10. März

Eine Mischnung aus Erleichterung und die bittere Erkenntnis, dass der befürchtete Ausbruch tatsächlich stattfindet und sich nicht abwenden wird lassen. Nicht dass man das ernsthaft hätte hoffen können, doch man will es nicht glauben. Ich wollte es nicht glauben, das ersteckt sich über mehrere Stufen des Realisierens scheint mir: Man liest schon Wochen lang von dem was kommt, es kommt näher, aber man liest die Meldungen mit einer gewissen Distanz. Vor drei Wochen habe ich bereits eine Wette mit meiner Freundin abgeschlossen, dass wir es noch vor Ostern erleben werden, dass auch bei uns die Universitäten geschlossen werden. Damals war das aufgrund der Maßnahmen, die in den ersten Ländern ergriffen wurden. Diese Maßnahmen waren immer ungefähr die gleichen und ungefähr zur selben Zeit nach Ausbruch des Corona Virus. Die Wette war aber mehr im Scherz gedacht, eher als hypotetische Annahme, im Sinne von: wenn das kommt, dann …
In Italien waren die vergangenen Tage immer weiter steigende Zahlen von Infizierten vermeldet worden. In Deutschland begann der Viruloge Dr. Christian Drosten der Charité in Berlin seinen Podcast und er mahnte von Beginn an das Virus ernst zu nehmen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Dennoch. man glaubt es erst wenn es so weit ist und das quasi offiziell verkündet wird. In der ZIB 2 wurde am 9. März um 22.00 Uhr verkündet, dass ganz Italien zur Sperrzone erklärt wurde. Bis dahin war bereits die Lombardei eine Sperrzone mit strikten Ausgangssperren und geschlossenen Einrichtungen. Gefängnisaufständen inklusive. Die Stimmung auf Twitter war bis am Vormittag noch betont ausgelassen, im persönlichen Umfeld wurden noch Witze gemacht und man ließ sich eher mit der Biermarke in Verbindung bringen als mit Bedenken zum Virus.

Die Meldung aus Italien war wie ein lauter Weckruf, der einen unsanft aus dem Dämmerschlaf reisst. Wenn die Alles sperren, gibt es zweifellos ein Problem, das man sehr dringend sehr ernst nehmen sollte! Die Stimmung fasst Walter Gröbchen auf Twitter so zusammen:

Gegen Mittag am 10 März gab es eine Pressekonferenz und die ersten Maßnahmen wurden verkündet. Ab kommenden Montag sollten die Universitäten und Fachhochschulen geschlossen werden. Die Umsetzung sei in Vorbereitung. Ich war zu der Zeit am FH Campus Wien, wo ich Logopädie studiere. Wir haben die Nachricht während eines laufenden praktischen Unterrichts bekommen, in welchem wir unter anderm Hygienemaßnahmen durchbesprochen und praktisch erlent haben. Unsere Vortragende war aufgrund ihres Tätigkeitsbereichs an der FH bereits eingebunden und deshalb vorab informiert. Die Geschwindigkeit und der Umfang der Schließungen schien sie allerdings zu überraschen.

Unter den Studierenden, wir sind 21 in unserem Jahrgang, herrschte Aufregung und viele Fragen standen im Raum. Wir stehen unmittelbar vor Praktika, welche wir in den kommenden Wochen in Krankenanstalten, Reha Einrichtungen und Pflegeheimen antreten würden. Ob es dazu kommt steht derzeit noch nicht fest. Werden wir unser Semester abschließen können, können Prüfungen stattfinden? Die Fragen drehen sich großteils um Organisatorisches. Für einzelne kommt die Meldung sehr überraschend, sie sehen das noch als Hysterie und übertrieben an.

Jetzt ist es fix. Wir bekommen Corona, als Land, Als Kontinent, Global. Die Statements von Kanzler und Gesundheitsminister sind klar. Die Maßnahmen sind so konkret und umfassend, dass es keinen Zweifel gibt, dass diese Herausforderung ernst genommen wird, dass sie oberste Priorität haben und dass es ab jetzt gilt das gemeinsam zu bewältigen.

Mit meiner achtjährigen Tochter habe ich bereits am Wochenende über die Möglichkeiten solcher Szenarien gesprochen. Sie sieht es als zusätzliche Ferienzeit in denen sie nachholen kann wozu sie sonst nie Zeit hat. Sie möchte den Großteil ihrer „Ferien“ bei den Großeltern verbringen. Sie möchte den Garten umgraben und den Hasen ein neues Gehege bauen. Es gäbe viel zu tun. Ich bin unsicher ob das gehen wird, meine Eltern sind in dem Alter, das als besonders gefährdet gilt, zwar nehmen sie sich bereits seit einigen Tagen besonder in Acht, verfolgen die Berichterstattung und wir besprechen die Entwicklungen täglich, aber ich möchte sie nicht einem Risiko aussetzen indem ihr Enkelkind zu ihnen kommt. Wir überlegen uns gerade Möglichkeiten wie das funktionieren könnte. Wir würden sie lieber im Garten spielen lassen als in der Wohnung, aber können wir das verantworten?

Meine Tochter hat Nachrichten gehört, ihre Trauer wegen der Aussicht auf Ferien hält sich scheinbar in Grenzen.

Am Heimweg von der Fachhochschule war ich noch einkaufen. Ich habe Sachen gekauft die wir schon länger brauchten. Wir haben eigentlich keine Vorräte, also habe ich mir vorgenommen einfach das zu kaufen das wir sonst auch immer besorgen. Ich besorgte ein Waschmittel, Salz und Dinge die uns gerade ausgegangen waren. Weiters Kaffee, Neo Citran und Nureflex. Die kommenden Tage werde ich schauen was wir alles daheim haben. Obst für Obstsalat, auf den freue ich mich schon.

Während ich koche kommt eine Email aus dem Rektorat der FH Campus Wien. Obwohl die Unis bis spätestens Montag alle geschlossen werden sollten, wird uns nun mitgeteilt, dass bereits am kommenden Tag die gesamte FH für Studierende geschlossen bleiben soll. Es scheint jetzt doch alles rasch zu gehen und auch die letzten von uns die noch nicht recht daran glauben konnten, begreifen jetzt wie real Corona gerade wird.

Nachricht der Direktion des FH Campus Wien. Die FH ist somit geschlossen.

Kanzler Kurz und Gesundheitsminister Anschober sind in den Abendsendungen zu sehen und sprechen abermals sehr klare Worte und kündigen weiter Schritte an. Schulen sollen in den kommenden Tagen ebenfalls geschlossen werden. Es werde noch der passende Zeitpunkt abgewartet, aber es scheint eher eine Frage der Zeit zu sein.

Es passiert was als Szenario eigentlich seit einiger schon unvermeidbar schien. Ich Twitter, folge Podcasts und informiere mich über die Seiten der WHO, aber das Gefühl ist jetzt ein anderes. Plötzlich sind wir mitten drin. Von Beobachtern werden wir jetzt zu betroffenen. So etwas habe ich noch nie erlebt, die wenigsten vermutlich. Es gibt keine Probe, jetzt muss alles funktionieren, egal ob wir so weit sind – Das Stück läuft schon.

10 März:

Erleichterung, weil klar ist, dass man Corona entsprechend ernst nimmt, Beklemmend, weil klar ist, dass der Zeitpunkt wirklich gekommen ist.

Stand bestätigter Coronafälle: 182