Tag 9 – die 18. Märzin

Guten Morgen, wieder Sonne, wieder Laufen, wieder Kaffee in der Sonne. Kurz Einkaufen – mit schlechtem Gewissen. Die Straßen sind leer. Zumindest in meiner Gegend und früh am Morgen. Es gibt viele Berichte, dass zu viele Menschen auf den Straßen sind und deshalb die Bewegungsfreiheit weiter eingeschränkt werden sollte. Ausgangsperren werden immer wieder überlegt, sie scheinen immer wieder realer zu werden.

Die Zahlen in Tirol steigen rasch, auch in Oberösterreich gibt es immer mehr infizierte. Flachau wird zur Quarantäne, ebenso das Gasteiner Tal. Die Menschen dürfen ihre Ortschaften nicht mehr verlassen, die Polizei kontrolliert die Bevölkerung insbesondere auf der Straße. An den Grenzübergängen vor allem zu Ungarn gibt es einen Stau von über 50 km Länge, der von der Polizei aufgelöst werden muss. Die Grenze ist zu, Güter dürfen dennoch durch, Menschen die auf dem Weg in ihre Heimat sind, oder durch Österreich durch müssen blockieren die Straßen und es kommt zu Konftontationen. Die Grenzen werden für wenige Stunden geöffnet. Wir sind wieder zurückversetzt in die Zeit vor Schengen. Wir haben wieder Grenzen. Ich dachte nicht dass ich das noch einmal erleben muss, vor allem nicht so plötzlich und unter solchen Bedingungen.

Unsicherheit macht sich immer noch breit, nach wie vor sind viele Fake Nachrichten im Umlauf, die Regierung warnt auch immer wieder davor. Es scheint plötzlich so als würden Fakten ganz plötzlich wieder an Bedeutung gewinnen, das war ja besonders auch von der Kanzlerpartei die vergangenen Jahre bewusst umgangen worden. Zwei Länder die immer noch große Schwierigkeiten mit dem Virus zu haben scheinen sind USA und England. Hier ist es nach wie vor so, dass die Bevölkerung erst die Politik überzeugen muss endlich zu handeln. In diesem Vergleich sind wir fast schon gesegnet. Auch in Deutschland wird es schön langsam mal Zeit, dass endlich einheitliche Maßnahmen beschlossen werden. Von außen betrachtet sind wir da gefühlt ein paar Tage voraus und haben insbesondere wichtige Gesetze bereits in Umsetzung und auch in Diskussion. Merkel fehlt mir an dieser Stelle schon. Sie tritt öffentlich kaum in Erscheinung.

Die Nachrichten aus Italien sind nach wie vor vernichtend. Unglaubliche Zahlen was die Todesopfer betrifft, Italien zieht bei Opfern von Coroba mit China gleich.

Deutschland gibt endlich die bestellten medizinischen Hilfmittel und Masken frei, die so dringend benötigt werden und mangels deutscher Ausfuhrgenehmigungen (Schengen, Freihandel!?) an der Grenze warten müssen. Was hinter dieser Posse steckt ist sehr rätselhaft, beschöäftigt aber auch bereits seit Tagen die Vertreter der Regierung. Nun gibt es endlich wieder Masken – vorerst, denke ich bei mir.

Bei Willkommen Österreich wird ein Deepfake Video von Sebastian Kurz gezeigt, erstellt von Kurt Fleisch, der vor wenigen Wochen auch schon eine Strache die Ansprache aus dem great Dictator halten ließ, ebenfalls sehr gelungen. Heute singt der kanzler und macht uns Hoffnung, dass alles wieder gut wird.

Abends sind wir zu müde uns nochmal die Nachrichten anzusehen, dennoch schrecken wir noch einmal kuz auf. Über ganz Tirol wird eine Ausgangssperre verhängt. Der Gesundheitsminister wurde anscheinend knapp vom Landeshauptmann über diese Maßnahmen (ist Ländersache) informiert. Die Kommunikation mit Tirol dürfte nicht wirklich gut funktionieren, Kurz hatte bereits mehrer kleine Seitenhiebe diesbezüglich abgegeben, Tirol agiert irrational unverantwortlich und unsolidarisch ist die breite Meinung.

Ich denke an meine Schwester die mit ihrer Familie in Tirol lebt. Ihnen geht es gut und sie haben die besten Voraussetzungen für diese Krise, aber eine Ausgangssperre bedeutet nochmal ganz andere Herausforderungen. Ich werde sie morgen anrufen.

Vielleicht versucht man nun das Bundesgebiet vom Westen her zu schließen. Die kommenden Tage werden sich stark um diese Frage drehen denke ich. Alle kommenden und weiteren Maßnahmen werden mittlerweile kritisch beobachtet. Die Befugnisse für einzelne Politiker sind sehr ausgeweitet worden, die Finanzmittel sind riesig (statt vier wurde die Summe heute auf 38 Milliarden erhöht! und der Finanzmisister singt ein Loblied auf den Sozialstaat und mahnt dessen Wichtigkeit ein!) und Freiheitsrechte sind ebenso großteils ausgesetzt wie der Datenschutz. A1 bietet Bewegungsprofile ihrer Kunden freiwillig und selbstständig der Regierung als Unterstüzuung zur erstellung von Bewegungsprofilen an. Sie sollen das Modellieren neuer Prognosen erleichtern.

Über die Inhalte des beschlossenen Epidemiegestzes darf man nicht zu lange nachdenken, das führt ohnehin bei zu vielen zu verschiedensten Verschwörungstheorien. Das Vertrauen in die Regierung ist schon sehr fordernd gerade. Die Neos fordern als Opposition die Begrenzung des Epidemiegesetzes auf ein Jahr ein. Mit Erfolg. Etwas beruhigend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.