Tag 5 – 14. März

Der Tag beginnt mit einem wunderschönen Sonnenaufgang und ich trinke meinen Kaffe am Balkon.

Testungen sind in den sozialen Medien wieder ein Thema. Immer noch wird nach dem alten Schema getetste. Nur Menschen mit akuter Symptomatik und mit direktem Kontakt oder wenn sie in einem betroffenen Gebiet waren (gerade das erscheint derzeit merkwürdig, da bereits eine reisewarnung für die ganze Welt! ausgegeben wurde) werden auf Corona getestet. Ich lese häufig, dass andere Länder deutlich mehr testen würden (Schweiz, Südkorea) und dass ein SARS-COV-2 Test verfügbar sein soll, der raschere Testungen ermöglichen soll. Stand Samstag früh an Corona positiv getester Personen: 602

Mit Marylyn Addo spricht endlich eine Frau statt dem nach wie vor sehr empfehlenswerten Christian Drosten darüber wie es mit der Impfforschung steht. Sie rechnet mit etwa einem Jahr.

In Ischgl sollen sich mehr als 130 Dänen mit Corona infiziert haben, Island warnte bereits am 5.3.20! vor Ischgl als Reiseziel, gestern wurde es offiziell unter Quarantäne gestellt. Anscheinend gab es sogar Coronapartys in einer bekannten Bar.

Ich besorge mir neue Laufschuhe und möchte die nächste Wochen nutzen etwas fit zu werden. Vor dem Geschäft warten mehrere Leute ganz selbstverständlich draussen und werden nacheinander aufgerufen. Kein Murren und auch kein großes Erklären ist notwendig.

Einzelne Unternehmen wie die Möbelkette XXXLutz schreiben heute! noch Mitteilungen an die Mitarbeiter, dass diese am Montag in der Arbeit zu erscheinen haben. Sie geben als Begründung an, dass die arbeitsrechtliche Situation noch nicht gänzlich geklärt sei (die Gesetze hierzu sollen Samstag und Sonntag in Sondersitzungen beschlossen werden). Ich habe dafür wenig Verständnis, auch Cateringfirmen, Hotels und ähnliches wollen im großen Stil Mitarbeiter abbauen. Sehr solidarische Verhalten liebes DO & Co, wieviele Millionen Gewinn macht ihr nochmal pro Jahr? Die Regierung will Haftungen übernehmen und überlegt weitere Maßnahmen diesbezüglich, hoffentlich kann das solche Unternehmen überzeugen die Mitarbeiter nicht zu kündigen.

Zu etwas schönem: In Italien singen Menschen in Quarantäne von den Balkonen, das und die Frage welches Lied wir singen sollten bewegt Twitter heute besonders stark.

Immer wieder sieht man verärgerte Postings von überfüllten Einkaufsstraßen, von Menschen die in Kaffehäusern und vor Restaurants sitzen. Die Ernsthaftigkeit der Lage ist vielen noch nicht bewusst wie es scheint. Immer vehementer mahnen Politiker genau diese Ernsthaftigkeit aber ein. Sehr eindringlich die Rede von Kanzler Kurz in einer weiteren Zib Spezial um 20:15. Diese Sondersendungen werden schon zur Routine, der ORF, aber auch die Privaten wie Puls 24 übertragen fast rund um die Uhr Parlamentssitzungen, Sondersendungen, Infos. Eh wichtig, viele glauben es erst wenn sie es im Fernsehen gesehen haben (vor allem Ältere).

Abends gibt es eine weitere Sondersendung der Zeit im Bild: Kurz ist so deutlich wie noch nie. Er spricht davon dass Menschen sterben werden. Ein beklemmendes Gefühl das diese Worte auslösen. Jetzt ist es raus.

Er spricht weiter von Lazaretten und ich habe sofort die Bilder aus Italien im Kopf: dutzende Menschen, auf Feldbetten liegend, mit blauen Decken halsabwärts zugedeckt. Sie werden von Ärzten in ganzkörper Schutzausrüstungen betreut und werden abgesondert in Lagerhallen versorgt.

Wir essen Gemüsewraps.

Stand bestätigter Coronafälle: 655

Tag 4 – 13. März

Heute noch einmal an die FH, vielleicht letzte Prüfung dort für einige Zeit. Ich bin recht zeitig dort weil ich bereits am Weg war und die Zeit noch zum lernen nutzen wollte. Neurogene Dysphagie – Schluckbeschwerden, sehr spannende und gute Lehrveranstaltung, aber ich habe mcih nur schwer auf das Lernen konzentrieren können; das ging den meisten so, spätestens nach den Ankündigungen der letzten Tage ist die Anspannung überall zu spüren. Die FH ist komplett Menschenleer, in der normalerweise nis auf den letzten Platz gefüllten Mensa ist es Menschenleer, drei Personen essen im großen Saal. Mehrere leere Tischen trennen sie, die Köche stehen ruhig in der Küche, es ist gespenstisch. Alles ist ruhig wo üblicherweise hunderte angeregte Gespräche und Lachen einen Wald aus Geräuschen bilden. Ich esse eine Suppe und setze mich zu meinem Studiengangsleiter, der mitten im Saal an einem Tisch sitzt.

Bei Verabschieden entscheiden wir uns sehr lässig für den Fußgruß anstatt uns mit den Ellbogen abzuklatschen.

Fh Campus Wien via @Ines

Ich warte an der FH nicht nur auf die Prüfung, sondern auch auf eine von der Regierung angekündigte Pressekonferenz. Statt zu Mittag findet sie aber erst um zwei statt, neue Maßnahmen sollen angekündigt werden. Seit gestern Abend kursieren immer mehr Gerüchte durch Whatsapp Gruppen, vor denen mittlerweile auch offiziell gewarnt wird.

warten

Die Regierung schränkt Gastronomie und Handel ab Montag ein. Nicht versorgungsnotwendige Geschäfte schließen. Lebensmittelhandel, Apotheken, Banken, Trafiken, Tankstellen und einige weitere Geschäfte bleiben offen.

Restaurants, Bars und Cafés werden nur bis 15 Uhr geöffnet haben dürfen.Um 11 Uhr am Samstag stellt die Regierung Hilfsmaßnahmen für die heimische Wirtschaft vor.
Die Messehalle in Wien wird vorsorglich für ein Groß-Lazarett vorbereitet. In einem ersten Schritt werden in der Halle A ab nächster Woche 880 Betten verfügbar sein.
Das Tiroler Paznauntal und St. Anton/Arlberg stehen die nächsten 14 Tage unter Quarantäne. Skigebiete auch in Kärnten und der Steiermark sperren nach diesem Wochenende verfrüht zu.
In Länder, in denen sich das Virus besonders schnell ausbreitet (Spanien, Schweiz, Frankreich), wird es ab Montag keine Flugverbindungen mehr geben. Seit Mitternacht gibt es Grenzkontrollen zwischen Österreich und der Schweiz.

Kurz weist sehr deutlich darauf hin, dass die Versorgung jedenfalls sichergestellt ist und es keinen Grund für Hamsterkäufe gibt. Die finden gerade in großen Ausmaß statt. Klopapier ist ein riesenhit im Netz, aber auch in den Einkaufwagerln. Nudeln sind fast überall aus, Reis und Mehl ebenso. Die Mitarbeiter im Supermarkt sind großartig! SIe schlichten von früh bis spät die Regale voll. Sind freundlich und spüren den Stellenwert der ihnen gerade zukommt. Sie sind aber voll gefordert.

Das Patznauntal ist unter Quarantäne. Diese Nachricht muss ich erst noch verarbeiten. Mit dem Rest kann ich gut umgehen, wir haben das alles die letzten Tage schon gut durchgesprochen. Kinderbetreuung geht bei uns zum Glück gut, das ist aber ein großes Problem wie bei fast allen Eltern in meinem Umfeld höre. Erste Ideen kursieren auf Twitter wie man sich da gegenseitig helfen könnte.

Neurogene Dysphagie

Puls 24 beginnt mit der Übersetzung von Regierungsanweisungen in weitere Sprachen und reagiert somit auf viele Hinweise, dass die Regierung ihre Information nicht nur in Gebärden (was seit anfang an gemacht wird), sondern auch in arabisch, türkisch, kroatisch und weiteren Sprachen verfügbar zu machen.

mehrsprachige Hinweise auf Puls24

Am Abend ist Van der Bellen mit einer Ansprache an Österreich in der Zeit im Bild. Er macht das auf seine menschliche Weise wie gewohnt ruhig, mit Humor und indem er alle mit einbezieht. Er bedankt sich für die allgemeine Mithilfe und bestärkt die Menschen darin zusammenzuhalten und gemeinsam Corona zu überwinden.
Unser Bundespräsident verabschiedet sich mit einem lächelnden Namasté

Stand bestätigter Coronafälle: 504

Es war ein Freitag der 13, darüber hat aber kaum jemand nachgedacht.

Tag 3 – der 12. März

Als Grundlage für eine Corona Testung gilt weiterhin: akute Symptomatik muss vorliegen und zusätzlich muss entweder Kontakt mit einer bestätigt positiv getesteten Person bestanden haben, oder ein Aufenthalt in einem betroffenen hochrisiko Gebiet muss vorliegen (z.B. China oder Italien).

In der Nacht hat Donald Trump eine Rede gehalten, oder besser gesagt abgelesen. Amerika schließt den kompletten Flugverkehr mit Europa, Waren dürfen weiterhin geliefert werden, England ist davon ausgenommen. Er sagt, dass seine Politik die beste sei, Amerika das beste Gesundheitssystem der Welt habe und die USA gestärkt und besser aus Corona hervorgehen werde. Ich habe bei jedem Wort das Gefühl, dass er wohl gedrängt wurde das starr abzulesen und ja nichts Trump typisches zu machen.

Generell habe ich nicht gut geschlafen gestern, morgen sollte ich eine Prüfung schreiben für die ich noch nicht viel gemacht habe und ich beschäftige mich viel damit ob ich meine Tochter zu meinen Eltern bringen kann.

Für heute erwarte ich leider weitere Überraschungen, ich kann mir vorstellen, dass die Schulschließungen konkretisiert werden und dass es heute einen spürbaren Anstieg an Hamsterkäufen geben wird nach den neuen Entwicklungen in Italien. Für mich gibt jetzt einmal Kaffee.

Wir haben den ersten offiziellen Todesfall in Wien, der mit Corona in Verbindung gebracht wird. Ein 62 jähriger verstarb auf der Intensivstation eines wiener Krankenhauses wo er bereits seit über einer Woche akut behandelt wurde.

Da wir den Tag über zufällig gemeinsam zuhause sind, rede ich mit meiner Freundin privat viel darüber wie die kommenden Wochen verlaufen werden, was noch auf uns zukommen wird. Die Stimmung ist eigentlich ganz entspannt, wir sind uns nicht in allem einig, aber machen uns dennoch einen groben Plan und sind uns bewusst, dass sich dieser jederzeit ändern kann. Wir haben ganz pragmatisch Dinge besprochen die uns betreffen könnten: wir werden unsere Eltern nicht besuchen in den nächsten Wochen, wir werden nicht hamstern, aber geben darauf acht, dass nichts ausgeht. Wir wollen mehr Sport machen, frisch kochen, niemanden einladen und daheim bleiben. Ich habe Briefmarken gekauft und werde mit meiner Tochter eine Brieffreundschaft starten. Neben ausgiebiger Videotelefonie selbstverständlich, hier müssen wir die Großeltern noch in eine Videokonferenz einbauen, das ist ein Projekt für die kommenden Tage.

Neben den ganzen schrecklichen Nachrichten gibt es die ersten guten Memes und Witze. Wenige und zurückhaltend noch, aber doch. Hamstern ist ein Thema das gerne aufgegriffen wird.

Kinder, ich erzähle euch eine Geschichte……

Am Abend haben wir noch kurz Besuch von Johannas Bruder, wir sehen uns gemeinsam die Nachrichten an, jausnen und es nicht ganz so unbeschwert wie sonst. Beim Verabschieden verzichten wir auf Umarmungen, etwas im Scherz, aber dennoch bewusst. Wir rechnen nicht ernsthaft damit uns rasch wiederzusehen. Er fährt am kommenden Tag zu den Eltern nach Niederösterreich, dort wird er seinen Job von Hause aus am Laptop erledigen.

Stand Coronaerkrankter um 19 Uhr: 361 bestätigte Fälle

Tag 2 – der 11. März

Der heutige Tag begann damit, dass ich einkaufen gegangen bin. Auf den öffentlichen Plätzen, an denen ich auf meinem Weg vorbeikomme, waren deutlich weniger Menschen als sonst. Auch die öffentlichen Verkehrsmittel sind verhältnismäßig leer. Ich bemerkte, dass besonders Gemüse und Nudeln im Supermarkt knapp sind, obwohl die Mitarbeiter des Supermarktes alle mit Nachräumen beschäftigt zu sein scheinen. Bisher kannte ich das nur aus Bildern die schon seit Tagen auf social media verbreitet werden. Ich denke mir nicht viel dabei und habe vor nicht sonderlich mehr als sonst auch einzukaufen, aber am Ende lande auch ich mit einem ziemlich vollen Einkaufswagen an der Kassa.

Unser Studiengang bekommt eine weitere Email, diesmal von der Studiengangsleitung, man ruft uns zu Besonnenheit auf, teilt uns mit, dass intensiv daran gearbeitet wird Wege zu finden wie wir von zuhause aus lernen können und dass wir Zuversichtlich sein sollen. Wir besprechen das intern, es bleiben viel Fragen ungeklärt zurück, aber man hat Verständnis dafür, dass das etwas dauern wird. Ich bin noch nicht sicher ob sich die Idee der Fernlehre so leicht umsetzen lassen wird. Auch ein zeitlicher Rahmen ist derzeit noch nicht absehbar wie lange es besondere Maßnahmen geben wird müssen, das wird eine große Anstrengung für alle.

Gestern wurden auch generell alle Veranstaltungen abgesagt die indoor von mehr als hundert und outdoor von mehr als 500 Personen besucht werden. Das führt zu großer Unsicherheit bei Musikern, Schriftstellern, Kabarettisten und Menschen die Vorträge und ähnliches abhalten, aber auch zu Existenzängsten bei Veranstaltern und Agenturen und deren Mitarbeitern. Der Tourismus beklagt große Ausfälle, Fluglinien planen in Kurzarbeit umzustellen. Im Laufe des Vormittags gibt es finanzielle Zusagen von Seiten der Regierung, aber auch der EU. Kanzlerin Merkel meint sinngemäß man werde sich im Anschluss an Corona um die finanzielle Situation kümmern, das habe derzeit nicht oberste Priorität. Und das obwohl vor zwei Tagen die Börsen allesamt mit riesengroßen Verlusten konfrontiert waren (das war ja ach noch). Die USA haben kurzfristig den Handel ausgestzt und der Erdölpreis ist so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Eine weitere Tragödie findet zeitgleich an den Außengrenzen der EU statt. Flüchtlinge auf Lesbos stehen europäischen Einheiten gegenüber, Tränengas und Gummigeschoße werden eingesetzt um die Flüchtlinge daran zu hindern in die EU zu kommen. Tausende unbegleitete Minderjährige hungern im Dreck und werden als Spielball der Politik benutzt. In den vergangenen Tagen wurde ihnen mehrmals und quer durch Europa die Menschenwürde abgesprochen. Das geht derzeit in der Berichterstattung und Aufmerksamkeit unter. Ich hoffe, dass man hinter den Kulissen dennoch weiter an einer Lösung dieses Übels arbeitet. Einzelne Gemeinden bieten an Flüchtlinge aufnehmen zu wollen.

Mittags folgt die nächste Überraschung: Alle Schulen sollen geschlossen werden. Am kommenden Freitag soll die Schule für alle Schüler*innen ab 14 enden, am kommenden Mittwoch generell für alle Schüler*innen. Es müssen noch viele Lösungen erarbeitet werden um die Betreuung der Kinder sicherzustellen, die arbeitsrechtlichen Bedingungen zu schaffen und zu gewähren, dass Lohnfortzahlungen jedenfalls gesichert sind. Das scheinen ziemlich große Brocken zu sein, die Auswirkung auf das wirtschftliche und gesellschaftlioche Zusammenleben wird sich sehr ändern müssen, zumal die Großeltern explizit nicht die Betreuung von Enkelkindern übernehmen sollten. Sie sind die Gruppe die es zu schützen gilt. Wir als Gesellschaft müssen die Alten Menschen schützen, da sie am stärksten vom Corona Virus betroffen sind heist es wiederkehrend.

Die Schulen schließen, jetzt ist es fix.

Ein Hinauszögern der Neuinfektionen stellt wohl die beste Möglichkeit dar sicherzustellen, dass ausreichend Intensivbetten in den Krankenhäusern für Menschen zur Verfügung stehen werden, die diese dann benötigen.

via: https://medium.com/@tomaspueyo/coronavirus-act-today-or-people-will-die-f4d3d9cd99ca

„Die Krankenhäuser sind unsere zentralen Institutionen, die wir erhalten müssen.“

Mittlerweile gibt es Berichte aus Italien in denen von der völligen Überlastung des Krankenhaussystems in der Lombardei berichtet wird. Die Versorgung sei nicht sichergestellt, es gibt Berichte von Triagen bei Notfallpatienten. Die Lage in Italien ist besonders ernst. Sie wurden in Europa als Erste und am heftigsten von dem Corona Virus erfasst. Sie haben derzeit nicht nur die höchste Ansteckungsrate, am Wochenende starben über hundert Menschen an den Folgen der Infektion. Auch in Italien herrscht Knappheit an Desinfektionsmittel, Masken und Schutzbekleidung. Davor wird auch bei uns schon seit wenigen Tagen gewarnt. Deutschland und Frankreich haben ihre medizinischen Materialien vom Export in andere Länder ausgeschlossen. Kanzler Kurz thematisiert dies heute und fordert Solidarität ein.

An den Grenzen zu Italien gibt es wieder Grenzkontrollen, der Personenzugverkehr wurde eingestellt und Kärnten will zwei Grenzübergänge generell schließen. Es passieren so viele Dinge gleichzeitig, dass man rasch den Überblick verliert. In Vorarlberg will man die Wahl trotz des Corona Viruses dennoch abhalten, erinnert aber an die Möglichkeit Wahlkarten verwenden zu können. In einer Pressekonferenz der wiener Gesundheitsbeauftragten wird bestätigt, dass aufgrund eines Corona Falles die Geburtshilfestation am SMZ Ost gesperrt werden musste. Der deutsche Virologe Christian Drosten schlägt hierzu tägliche Testungen des Krankenhauspersonals mittels Mundabstrichen vor, die Tests würden das Virus schon anzeigen bevor die Person selbst ansteckend sei. Alle Ärzt*innen, Pfleger*innen und alle die im Gesundheitsdienst beschäftigt sind haben sehr intensive und entbehrungsvolle Wochen vor sich, das zeigt sich immer deutlicher.

Am Nachmittag habe ich begonnen Sauerteig anzustellen um ein Brot zu backen. Dafür habe ich für gewöhnlich zu wenig Zeit, deshalb wollte ich diese Gelegenheit nutzen. In drei Tagen ist der Sauerteig fertig und ich kann Brot backen. Darauf freue ich mich schon sehr, ich hoffe dass es gelingt.

Mein Sauerteig: 50g Roggenmehl und 50g Wasser (~40Grad) gut verrühren und 24 Stunden zugedeckt stehn lassen. Dann wird er wieder gefüttert.

Fast nebenbei höre ich die Meldung, dass alle Bundesmuseen und auch der Tiergarten Schönbrunn ab Donnerstag schließen. Eigentlich auch eine ganz große Nachricht, aber die geht heute fast unter in den ganzen Ankündigungen.

in meinem Umfeld bekomme ich viel Unsicherheit mit wie man mit der Kinderbetreuung vorgehen sollte, ob man sich Urlaub nehmen müsse, ob man diesen bekomme und ob der Lohn weiter fortbezahlt werden wird. Es ist Unsicherheit spürbar, aber subjektiv empfinde ich die Stimmung etwas angespannt, aber dennoch unaufgeregt.

Heute Abend habe ich begonnen diese Seite zu machen. Ich habe gestern kurz zusammengeschriebn was passiert ist, warum weiß ich nicht genau, es macht mir aber Spaß und ich verfolge kein bestimmtes Ziel damit. Vielleicht höre ich in zwei oder drei Tagen wieder damit auf. Am Freitag habe ich eine Prüfung, die auch noch stattfinden wird, vielleicht drücke ich mich einfach vor Lernen.

Italien schließt alles außer Krankenhäuser, Apotheken und Supermärkte

In den Nachrichten um 22:00 dann die nächste Stufe von schlechten Nachrichten. Der Bildungsmininister hat gerade die Pläne zu den Schulschließungen näher ausgeführt, die alle einschneidend sind und in völlig unbekanntem Ausmaß stattfinden. Vermutlich hätte man vor einer Woche noch über jede dieser Nachrichten mehrere Sondersendungen gemacht, jetzt bleiben diese Schreckensmeldungen kurz stehen und bevor man sich der konsequenzen bewusst werden kann, bricht die nächste „Maßnahme“ über uns herein:

Italien schließt alle Bars, Fitnesscenter, Lokale, Friseure usw. Nur Supermärkte, Apotheken und Gesundheitseinrichtungen bleiben geöffnet. Wie es mit dem (öffentlichen) Verkehr aussieht ist derzeit noch nicht bekannt. Na Bumm.

Ich gehe schlafen, besser wird es heute nicht mehr. Die WHO stuft das Corona Virus als Pandemie ein (einfach abnicken diese Meldung und hinnehmen) und Liverpool ist aus der Champions Leage draussen, deshalb gibt es noch den Klopp mit einem Statement von vor zwei Tagen.

Stand bestätigter Coronafälle: 246

#letsdothistogether

Tag 1 – der 10. März

Eine Mischnung aus Erleichterung und die bittere Erkenntnis, dass der befürchtete Ausbruch tatsächlich stattfindet und sich nicht abwenden wird lassen. Nicht dass man das ernsthaft hätte hoffen können, doch man will es nicht glauben. Ich wollte es nicht glauben, das ersteckt sich über mehrere Stufen des Realisierens scheint mir: Man liest schon Wochen lang von dem was kommt, es kommt näher, aber man liest die Meldungen mit einer gewissen Distanz. Vor drei Wochen habe ich bereits eine Wette mit meiner Freundin abgeschlossen, dass wir es noch vor Ostern erleben werden, dass auch bei uns die Universitäten geschlossen werden. Damals war das aufgrund der Maßnahmen, die in den ersten Ländern ergriffen wurden. Diese Maßnahmen waren immer ungefähr die gleichen und ungefähr zur selben Zeit nach Ausbruch des Corona Virus. Die Wette war aber mehr im Scherz gedacht, eher als hypotetische Annahme, im Sinne von: wenn das kommt, dann …
In Italien waren die vergangenen Tage immer weiter steigende Zahlen von Infizierten vermeldet worden. In Deutschland begann der Viruloge Dr. Christian Drosten der Charité in Berlin seinen Podcast und er mahnte von Beginn an das Virus ernst zu nehmen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Dennoch. man glaubt es erst wenn es so weit ist und das quasi offiziell verkündet wird. In der ZIB 2 wurde am 9. März um 22.00 Uhr verkündet, dass ganz Italien zur Sperrzone erklärt wurde. Bis dahin war bereits die Lombardei eine Sperrzone mit strikten Ausgangssperren und geschlossenen Einrichtungen. Gefängnisaufständen inklusive. Die Stimmung auf Twitter war bis am Vormittag noch betont ausgelassen, im persönlichen Umfeld wurden noch Witze gemacht und man ließ sich eher mit der Biermarke in Verbindung bringen als mit Bedenken zum Virus.

Die Meldung aus Italien war wie ein lauter Weckruf, der einen unsanft aus dem Dämmerschlaf reisst. Wenn die Alles sperren, gibt es zweifellos ein Problem, das man sehr dringend sehr ernst nehmen sollte! Die Stimmung fasst Walter Gröbchen auf Twitter so zusammen:

Gegen Mittag am 10 März gab es eine Pressekonferenz und die ersten Maßnahmen wurden verkündet. Ab kommenden Montag sollten die Universitäten und Fachhochschulen geschlossen werden. Die Umsetzung sei in Vorbereitung. Ich war zu der Zeit am FH Campus Wien, wo ich Logopädie studiere. Wir haben die Nachricht während eines laufenden praktischen Unterrichts bekommen, in welchem wir unter anderm Hygienemaßnahmen durchbesprochen und praktisch erlent haben. Unsere Vortragende war aufgrund ihres Tätigkeitsbereichs an der FH bereits eingebunden und deshalb vorab informiert. Die Geschwindigkeit und der Umfang der Schließungen schien sie allerdings zu überraschen.

Unter den Studierenden, wir sind 21 in unserem Jahrgang, herrschte Aufregung und viele Fragen standen im Raum. Wir stehen unmittelbar vor Praktika, welche wir in den kommenden Wochen in Krankenanstalten, Reha Einrichtungen und Pflegeheimen antreten würden. Ob es dazu kommt steht derzeit noch nicht fest. Werden wir unser Semester abschließen können, können Prüfungen stattfinden? Die Fragen drehen sich großteils um Organisatorisches. Für einzelne kommt die Meldung sehr überraschend, sie sehen das noch als Hysterie und übertrieben an.

Jetzt ist es fix. Wir bekommen Corona, als Land, Als Kontinent, Global. Die Statements von Kanzler und Gesundheitsminister sind klar. Die Maßnahmen sind so konkret und umfassend, dass es keinen Zweifel gibt, dass diese Herausforderung ernst genommen wird, dass sie oberste Priorität haben und dass es ab jetzt gilt das gemeinsam zu bewältigen.

Mit meiner achtjährigen Tochter habe ich bereits am Wochenende über die Möglichkeiten solcher Szenarien gesprochen. Sie sieht es als zusätzliche Ferienzeit in denen sie nachholen kann wozu sie sonst nie Zeit hat. Sie möchte den Großteil ihrer „Ferien“ bei den Großeltern verbringen. Sie möchte den Garten umgraben und den Hasen ein neues Gehege bauen. Es gäbe viel zu tun. Ich bin unsicher ob das gehen wird, meine Eltern sind in dem Alter, das als besonders gefährdet gilt, zwar nehmen sie sich bereits seit einigen Tagen besonder in Acht, verfolgen die Berichterstattung und wir besprechen die Entwicklungen täglich, aber ich möchte sie nicht einem Risiko aussetzen indem ihr Enkelkind zu ihnen kommt. Wir überlegen uns gerade Möglichkeiten wie das funktionieren könnte. Wir würden sie lieber im Garten spielen lassen als in der Wohnung, aber können wir das verantworten?

Meine Tochter hat Nachrichten gehört, ihre Trauer wegen der Aussicht auf Ferien hält sich scheinbar in Grenzen.

Am Heimweg von der Fachhochschule war ich noch einkaufen. Ich habe Sachen gekauft die wir schon länger brauchten. Wir haben eigentlich keine Vorräte, also habe ich mir vorgenommen einfach das zu kaufen das wir sonst auch immer besorgen. Ich besorgte ein Waschmittel, Salz und Dinge die uns gerade ausgegangen waren. Weiters Kaffee, Neo Citran und Nureflex. Die kommenden Tage werde ich schauen was wir alles daheim haben. Obst für Obstsalat, auf den freue ich mich schon.

Während ich koche kommt eine Email aus dem Rektorat der FH Campus Wien. Obwohl die Unis bis spätestens Montag alle geschlossen werden sollten, wird uns nun mitgeteilt, dass bereits am kommenden Tag die gesamte FH für Studierende geschlossen bleiben soll. Es scheint jetzt doch alles rasch zu gehen und auch die letzten von uns die noch nicht recht daran glauben konnten, begreifen jetzt wie real Corona gerade wird.

Nachricht der Direktion des FH Campus Wien. Die FH ist somit geschlossen.

Kanzler Kurz und Gesundheitsminister Anschober sind in den Abendsendungen zu sehen und sprechen abermals sehr klare Worte und kündigen weiter Schritte an. Schulen sollen in den kommenden Tagen ebenfalls geschlossen werden. Es werde noch der passende Zeitpunkt abgewartet, aber es scheint eher eine Frage der Zeit zu sein.

Es passiert was als Szenario eigentlich seit einiger schon unvermeidbar schien. Ich Twitter, folge Podcasts und informiere mich über die Seiten der WHO, aber das Gefühl ist jetzt ein anderes. Plötzlich sind wir mitten drin. Von Beobachtern werden wir jetzt zu betroffenen. So etwas habe ich noch nie erlebt, die wenigsten vermutlich. Es gibt keine Probe, jetzt muss alles funktionieren, egal ob wir so weit sind – Das Stück läuft schon.

10 März:

Erleichterung, weil klar ist, dass man Corona entsprechend ernst nimmt, Beklemmend, weil klar ist, dass der Zeitpunkt wirklich gekommen ist.

Stand bestätigter Coronafälle: 182