Tag 10 – 19. März

Tirol ist dicht, ganz Tirol? Ja.

Was soll man dazu schreiben, ich trinke meinen Kaffee und lese die Nachricht in Ruhe noch einmal nach. Sehr sachlich und ohne große Emotionen, für die Tragweite einer solchen Meldung schon sehr entspannt. Was mich kurz überrascht und was nicht wirklich berichtet wurde gestern noch: auch Vorarlberg ist von dieser Maßnahme betroffen. Die Grenzen sind zu, Tirol auch. Vorarlberg ist also auch abgeschnitten, weil eine anderes Bundesland für sich eine Maßnahme ergreift. Über die politische Verantwortung Platters muss jedenfalls gesprochen werden. Verheerend auch die ausländischen Berichte.

Merkel tauch auf. In einer dringlichen Rede spricht sie zu den Deutschen. Sehr ernst, sehr verständnisvoll, kämpferisch und besonnen. Endlich ist sie wieder da, sie fehlt in dem Europa in dem gerade jedes Mitgliedsland sein eigenes Spiel zu spielen scheint.

Die EU existiert in dieser Krise nicht. Man hört nichts, ich habe den Eindruck man hat Corona einfach verschlafen während man sich in den neuen Büros gerade hübsch eingerichtet hat. Deshalb machen alle Staaten ihre eigen Lösungen, verfolgen eigenständige Ziele und schoten sich von den anderen ab. Danke für nichts liebe EU, wann wacht ihr endlich auf? Wird Zeit dass diese Struktur eindlich demokratischer und Transparenter wird, genau in solchen Situationen wäre es so wichtig. Die EZB will Geld locker machen, Von der Leyen schläft und die EU mit ihr hat es den Eindruck. Vielleicht kann Merkels Auftritt auch noch weitere Politiker*innen wachrütteln. Hallo, Guten Morgen, wir haben eine Pandemie, Ideen?

Bilder aus Italien, deren Echtheit leider unbestritten ist machen die Runde. Das Militär bringt Särge von Opfern aus der Lombardei in umliegende Krematorien, da die Kapazitäten der dortigen Bestattungsunternehmen erschöpft sind. Italien überholt China mit den Opferzahlen. Corona beginnt jetzt in Europa zu wüten. Italien hat und vorgewarnt. Die kommenden Tage wird sich zeigen ob wir gerade noch rechtzeitig den Meldungen aus Italien Glauben geschenkt haben. Die Warnungen aus China und die Empfehlungen der WHO haben wir wieder den Interessen der Wirtschaft untergeordnet. Italien du rettest Europa möglicherweise unter großen Verlusten und durch viel Leid den Arsch.

Den Tag über wird weiter über Maßnahmen und die Auswirkungen der Gestzesnovellen und deren Auslegung gesprochen. Kinder deren Eltern sollen nicht zwischen den Eltern wechseln, dann dürfen sie das aber doch wieder. Die Quarantäne ist keine Ausgangsperre, in Parks aber schon, eigentlich aber nicht, Versammlungen sind möglich, oder nicht, oder nur bis fünf Personen, oder nur mit Personen die im selben Haushalt leben. Auch der Gesundheitsminister scheint sich da nicht mehr ganz sicher zu sein was für wie lange und wann gilt.

Er sieht jedenfalls die ein-Meter-Abstandregel als eine Art Verfassungsgesetz und pocht auf das unbedingte Einhalten dieser Regel. Unser Alltag nimmt immer mehr neue Regeln auf. Man achtet ganz unwillkürlich darauf wie oft man sich ins Gesicht greift, jedes mal Hände waschen sehe ich kleine Viren von der Hand auf den Wasserhahn, von dort zurück auf meine Hand, ins Handtuch und ins Gesicht hüpfen. Sie sind überall. Aber die frühsommerlichen Tage mit Temperaturen um 20 Grad wiegen uns in trügerischer Sicherheit und lässst viele Leute in die Parks gehen und das wiederum mag der Gesundheitsminister nicht. Der ist hin und hergerissen zwischen loben weil alle so brav sind und schimpfen weil alle noch braver sein sollten. Und wenn nur fünf Prozent nicht mitmachen, dann ahut uns das die ganze Maßnahme zsamm, sagt er in einem sehr sympathischen Oberösterreichisch.

Rudi Anschober kann man von Anbeginn der Krise vertrauen und wenn man bedenkt, dass er nur etwa ein Monat im Amt war als das richtig los ging, kann man ihm nur größten Respekt zollen! Nicht vorstellbar, dass seine Vorgängerin statt ihm die Richtung vorgeben könnte.

Wir bemerken, dass die Tage schneller vergehen als man denkt und freuen uns auf den morgigen Tag, da wird es ein onlinekonzert gebenm das wir uns gemeinsam ansehen möchten. Überhaupt gibt es viel Kreatives im Netz. Noodle light, kannte ich noch nicht.

Nehammer spricht in einer Pressekonferenz vom Nachmittag, die ich am Abend noch nachsehe explizit auch Maßnahmen auf Lesbos an und versichert Unterstützung und humanitäre Hilfe. Er gibt zu, dass dieses Thema von Corona überlagert wird, dass man sich aber darum kümmere. Ich fühle Erleichterung, dass man sich vor dieser verantwortung auch in dieser Situation jetzt nicht drückt. Das klang vor wenigen Tagen vom Kanzler noch ganz anders und Kogler durfte nicht einmal seine Privatmeinung äußern ohne sofort zurechtgewiesen zu werden.

Tag 9 – die 18. Märzin

Guten Morgen, wieder Sonne, wieder Laufen, wieder Kaffee in der Sonne. Kurz Einkaufen – mit schlechtem Gewissen. Die Straßen sind leer. Zumindest in meiner Gegend und früh am Morgen. Es gibt viele Berichte, dass zu viele Menschen auf den Straßen sind und deshalb die Bewegungsfreiheit weiter eingeschränkt werden sollte. Ausgangsperren werden immer wieder überlegt, sie scheinen immer wieder realer zu werden.

Die Zahlen in Tirol steigen rasch, auch in Oberösterreich gibt es immer mehr infizierte. Flachau wird zur Quarantäne, ebenso das Gasteiner Tal. Die Menschen dürfen ihre Ortschaften nicht mehr verlassen, die Polizei kontrolliert die Bevölkerung insbesondere auf der Straße. An den Grenzübergängen vor allem zu Ungarn gibt es einen Stau von über 50 km Länge, der von der Polizei aufgelöst werden muss. Die Grenze ist zu, Güter dürfen dennoch durch, Menschen die auf dem Weg in ihre Heimat sind, oder durch Österreich durch müssen blockieren die Straßen und es kommt zu Konftontationen. Die Grenzen werden für wenige Stunden geöffnet. Wir sind wieder zurückversetzt in die Zeit vor Schengen. Wir haben wieder Grenzen. Ich dachte nicht dass ich das noch einmal erleben muss, vor allem nicht so plötzlich und unter solchen Bedingungen.

Unsicherheit macht sich immer noch breit, nach wie vor sind viele Fake Nachrichten im Umlauf, die Regierung warnt auch immer wieder davor. Es scheint plötzlich so als würden Fakten ganz plötzlich wieder an Bedeutung gewinnen, das war ja besonders auch von der Kanzlerpartei die vergangenen Jahre bewusst umgangen worden. Zwei Länder die immer noch große Schwierigkeiten mit dem Virus zu haben scheinen sind USA und England. Hier ist es nach wie vor so, dass die Bevölkerung erst die Politik überzeugen muss endlich zu handeln. In diesem Vergleich sind wir fast schon gesegnet. Auch in Deutschland wird es schön langsam mal Zeit, dass endlich einheitliche Maßnahmen beschlossen werden. Von außen betrachtet sind wir da gefühlt ein paar Tage voraus und haben insbesondere wichtige Gesetze bereits in Umsetzung und auch in Diskussion. Merkel fehlt mir an dieser Stelle schon. Sie tritt öffentlich kaum in Erscheinung.

Die Nachrichten aus Italien sind nach wie vor vernichtend. Unglaubliche Zahlen was die Todesopfer betrifft, Italien zieht bei Opfern von Coroba mit China gleich.

Deutschland gibt endlich die bestellten medizinischen Hilfmittel und Masken frei, die so dringend benötigt werden und mangels deutscher Ausfuhrgenehmigungen (Schengen, Freihandel!?) an der Grenze warten müssen. Was hinter dieser Posse steckt ist sehr rätselhaft, beschöäftigt aber auch bereits seit Tagen die Vertreter der Regierung. Nun gibt es endlich wieder Masken – vorerst, denke ich bei mir.

Bei Willkommen Österreich wird ein Deepfake Video von Sebastian Kurz gezeigt, erstellt von Kurt Fleisch, der vor wenigen Wochen auch schon eine Strache die Ansprache aus dem great Dictator halten ließ, ebenfalls sehr gelungen. Heute singt der kanzler und macht uns Hoffnung, dass alles wieder gut wird.

Abends sind wir zu müde uns nochmal die Nachrichten anzusehen, dennoch schrecken wir noch einmal kuz auf. Über ganz Tirol wird eine Ausgangssperre verhängt. Der Gesundheitsminister wurde anscheinend knapp vom Landeshauptmann über diese Maßnahmen (ist Ländersache) informiert. Die Kommunikation mit Tirol dürfte nicht wirklich gut funktionieren, Kurz hatte bereits mehrer kleine Seitenhiebe diesbezüglich abgegeben, Tirol agiert irrational unverantwortlich und unsolidarisch ist die breite Meinung.

Ich denke an meine Schwester die mit ihrer Familie in Tirol lebt. Ihnen geht es gut und sie haben die besten Voraussetzungen für diese Krise, aber eine Ausgangssperre bedeutet nochmal ganz andere Herausforderungen. Ich werde sie morgen anrufen.

Vielleicht versucht man nun das Bundesgebiet vom Westen her zu schließen. Die kommenden Tage werden sich stark um diese Frage drehen denke ich. Alle kommenden und weiteren Maßnahmen werden mittlerweile kritisch beobachtet. Die Befugnisse für einzelne Politiker sind sehr ausgeweitet worden, die Finanzmittel sind riesig (statt vier wurde die Summe heute auf 38 Milliarden erhöht! und der Finanzmisister singt ein Loblied auf den Sozialstaat und mahnt dessen Wichtigkeit ein!) und Freiheitsrechte sind ebenso großteils ausgesetzt wie der Datenschutz. A1 bietet Bewegungsprofile ihrer Kunden freiwillig und selbstständig der Regierung als Unterstüzuung zur erstellung von Bewegungsprofilen an. Sie sollen das Modellieren neuer Prognosen erleichtern.

Über die Inhalte des beschlossenen Epidemiegestzes darf man nicht zu lange nachdenken, das führt ohnehin bei zu vielen zu verschiedensten Verschwörungstheorien. Das Vertrauen in die Regierung ist schon sehr fordernd gerade. Die Neos fordern als Opposition die Begrenzung des Epidemiegesetzes auf ein Jahr ein. Mit Erfolg. Etwas beruhigend.

Tag 4 – 13. März

Heute noch einmal an die FH, vielleicht letzte Prüfung dort für einige Zeit. Ich bin recht zeitig dort weil ich bereits am Weg war und die Zeit noch zum lernen nutzen wollte. Neurogene Dysphagie – Schluckbeschwerden, sehr spannende und gute Lehrveranstaltung, aber ich habe mcih nur schwer auf das Lernen konzentrieren können; das ging den meisten so, spätestens nach den Ankündigungen der letzten Tage ist die Anspannung überall zu spüren. Die FH ist komplett Menschenleer, in der normalerweise nis auf den letzten Platz gefüllten Mensa ist es Menschenleer, drei Personen essen im großen Saal. Mehrere leere Tischen trennen sie, die Köche stehen ruhig in der Küche, es ist gespenstisch. Alles ist ruhig wo üblicherweise hunderte angeregte Gespräche und Lachen einen Wald aus Geräuschen bilden. Ich esse eine Suppe und setze mich zu meinem Studiengangsleiter, der mitten im Saal an einem Tisch sitzt.

Bei Verabschieden entscheiden wir uns sehr lässig für den Fußgruß anstatt uns mit den Ellbogen abzuklatschen.

Fh Campus Wien via @Ines

Ich warte an der FH nicht nur auf die Prüfung, sondern auch auf eine von der Regierung angekündigte Pressekonferenz. Statt zu Mittag findet sie aber erst um zwei statt, neue Maßnahmen sollen angekündigt werden. Seit gestern Abend kursieren immer mehr Gerüchte durch Whatsapp Gruppen, vor denen mittlerweile auch offiziell gewarnt wird.

warten

Die Regierung schränkt Gastronomie und Handel ab Montag ein. Nicht versorgungsnotwendige Geschäfte schließen. Lebensmittelhandel, Apotheken, Banken, Trafiken, Tankstellen und einige weitere Geschäfte bleiben offen.

Restaurants, Bars und Cafés werden nur bis 15 Uhr geöffnet haben dürfen.Um 11 Uhr am Samstag stellt die Regierung Hilfsmaßnahmen für die heimische Wirtschaft vor.
Die Messehalle in Wien wird vorsorglich für ein Groß-Lazarett vorbereitet. In einem ersten Schritt werden in der Halle A ab nächster Woche 880 Betten verfügbar sein.
Das Tiroler Paznauntal und St. Anton/Arlberg stehen die nächsten 14 Tage unter Quarantäne. Skigebiete auch in Kärnten und der Steiermark sperren nach diesem Wochenende verfrüht zu.
In Länder, in denen sich das Virus besonders schnell ausbreitet (Spanien, Schweiz, Frankreich), wird es ab Montag keine Flugverbindungen mehr geben. Seit Mitternacht gibt es Grenzkontrollen zwischen Österreich und der Schweiz.

Kurz weist sehr deutlich darauf hin, dass die Versorgung jedenfalls sichergestellt ist und es keinen Grund für Hamsterkäufe gibt. Die finden gerade in großen Ausmaß statt. Klopapier ist ein riesenhit im Netz, aber auch in den Einkaufwagerln. Nudeln sind fast überall aus, Reis und Mehl ebenso. Die Mitarbeiter im Supermarkt sind großartig! SIe schlichten von früh bis spät die Regale voll. Sind freundlich und spüren den Stellenwert der ihnen gerade zukommt. Sie sind aber voll gefordert.

Das Patznauntal ist unter Quarantäne. Diese Nachricht muss ich erst noch verarbeiten. Mit dem Rest kann ich gut umgehen, wir haben das alles die letzten Tage schon gut durchgesprochen. Kinderbetreuung geht bei uns zum Glück gut, das ist aber ein großes Problem wie bei fast allen Eltern in meinem Umfeld höre. Erste Ideen kursieren auf Twitter wie man sich da gegenseitig helfen könnte.

Neurogene Dysphagie

Puls 24 beginnt mit der Übersetzung von Regierungsanweisungen in weitere Sprachen und reagiert somit auf viele Hinweise, dass die Regierung ihre Information nicht nur in Gebärden (was seit anfang an gemacht wird), sondern auch in arabisch, türkisch, kroatisch und weiteren Sprachen verfügbar zu machen.

mehrsprachige Hinweise auf Puls24

Am Abend ist Van der Bellen mit einer Ansprache an Österreich in der Zeit im Bild. Er macht das auf seine menschliche Weise wie gewohnt ruhig, mit Humor und indem er alle mit einbezieht. Er bedankt sich für die allgemeine Mithilfe und bestärkt die Menschen darin zusammenzuhalten und gemeinsam Corona zu überwinden.
Unser Bundespräsident verabschiedet sich mit einem lächelnden Namasté

Stand bestätigter Coronafälle: 504

Es war ein Freitag der 13, darüber hat aber kaum jemand nachgedacht.